Thurgauer Entscheid zum Frühfranzösisch wirft Wellen

Die Abschaffung des Frühfranzösisch im Thurgau kommt in der Romandie und bei nationalen Bildungspolitikern nicht gut an. Sie sehen den Zusammenhalt des Landes in Gefahr. Die Thurgauer Lehrer stellen das in Abrede. Sie hoffen dennoch auf eine nationale Lösung.

Schulzimmer

Bildlegende: Die Kinder seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, sagen die Gegner von Französisch in der Primarschule. Keystone

Auch in anderen Kantonen sind Vorstösse zur Abschaffung des Frühfranzösisch hängig. Der Entscheid des Thurgauer Kantonsparlaments sei da ein schlechtes Signal, sagt die jurassische Erziehungsdirektorin Elisabeth Baume. Französisch sei wichtig für den nationalen Zusammenhalt.

Der Präsident aller Schweizer Erziehungsdirektoren, Christoph Eymann, warnt ebenfalls, dass dieser Entscheid die Romandie vor den Kopf stossen könnte.

Die Thurgauer Lehrerpräsidentin Anne Varenne, welche den Vorstoss unterstützte, beschwichtigt. Die Ziele bis zum Ende der Schulzeit blieben die gleichen. Französisch soll zwar später, dafür intensiver gelernt werden. Das sei ein Vorteil für alle.

Befehl aus Bundesbern

Monika Knill muss als Thurgauer Erziehungsdirektorin diesen Entscheid des Kantonsparlaments nun gegen ihren Willen umsetzen. Die Einführung des gemeinsamen Lehrplan 21 in der Deutschschweiz sei dennoch kein Problem. Da müsse es für den Thurgau bezüglich Fremdsprachen einfach einige Anpassungen geben, sagt sie.

Für Lehrerpräsidentin Anne Varenne ist das aber keine gute Lösung. Sie fordert, dass der Bund eingreift und einheitliche Regeln durchsetzt. Die SP Schweiz will das ebenfalls. Allerdings geht die Partei in eine andere Richtung als die Thurgauer Lehrer. Sie will mit Vorstössen im Bundesparlament erreichen, dass das Lehren einer zweiten Landessprache in der Primarschule im Bundesgesetz verankert wird.