Vorgänger von Facebook aus dem Thurgau

Das Internet gab es noch nicht, doch Likes und geteilte Inhalte waren schon im 18. Jahrhundert beliebt. Das Historische Museum Thurgau bietet Einblick in das historische Facebook und öffnet das Profil eines produktiven Thurgauer Medaillenmachers.

Kunsthistorikerin Margrit Früh mit dem historischen Vorgänger des heutigen Facebook.

Bildlegende: Kunsthistorikerin Margrit Früh mit dem historischen Vorgänger des heutigen Facebook. SRF

Der Frauenfelder Medailleur Johann Melchior Mörikofer (1706–1761) taucht schon 1774 in einem Geschichtsband über die besten Schweizer Künstler auf. Eine Besonderheit ist sein Stammbuch mit kunstvollen «Posts» seiner Freunde. Stammbücher von Schweizer Künstlern sind sehr selten. Ein solches befindet sich in der Sammlung des Historischen Museums Thurgau. Es gehörte dem Frauenfelder Johann Melchior Mörikofer, der als Medailleur sehr produktiv Medaillen und Siegelstempel gestaltete, unter anderem für das Berner Patriziat.

Verlinken von Freunden

Stammbücher waren in früheren Jahrhunderten so beliebt wie Facebook heute, besonders bei Studenten. Auf leere Albumblätter trugen sich Freunde und Bekannte ein, um sich gegenseitig der Verbundenheit zu versichern. Die Einträge waren meist selbst geschriebene Verse oder Zeilen von Dichtern, oft begleitet von einem sorgfältig gemalten Bild.

Grosse Kunst im Kleinen

Die 26 aufwendigen und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Einträge in Mörikofers Stammbuch sind meisterhaft. Sie reichen von 1735 bis 1746 und wurden von Verwandten, vor allem aber auch von anderen, teils berühmten Kunsthandwerkern ausgearbeitet. Kunsthistorikerin Margrit Früh: «Der Vorgänger des heutigen Facebooks beinhaltet kunstvolle Einträge. Spannend ist aber auch, wer alles reingeschrieben hat. So ergibt sich ein Profil des Thurgauer Künstlers.»

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr