Wärme aus dem Bodensee

19 Anlagen nutzen am Bodensee das Seewasser zum heizen. Nun entsteht in Romanshorn eine Grossanlage. Die 165 Mietwohnungen der Überbauung «Witenzelg» sollen künftig zu 80 Prozent mit Bodensee-Wasser geheizt werden. Aus ökologischer Sicht sei dies kein Problem, so Alfred Wüest von der ETH Lausanne.

Die Idee ist verlockend: Die im Bodensee-Wasser gespeicherte Wärme soll mit einem Wärmetauscher für die Beheizung von Gebäuden verfügbar gemacht werden. 19 Anlagen sind bereits in Betrieb – zum Beispiel in Rorschach (Berufsbildungszentrum) oder in Arbon (Hotel Metropol). Nun entsteht in Romanshorn die grösste Anlage: Im Gebiet «Witenzelg» sollen künftig 165 Mietwohnungen mehrheitlich mit Bodensee-Wasser beheizt werden, so Architekt Peter Felix.

Grosses Potential

«Ökologisch gesehen ist das kein Problem», sagt Alfred Wüest, Professor für Aquatische Systeme an der ETH Lausanne. «Entzieht man dem Bodensee ein Gigawatt, was etwa dem Jahresbedarf von einer Million Menschen entspricht, dann kühlt sich das Wasser um knapp 0,2 Grad Celsius ab.»

Genug Wärme im gefrorenen See

Auch in anderen Seen wird dä Wärmepotential genutzt. So hat der Kinderzoo Knie in Rapperswil eben eine Anlage in Betrieb genommen, die Wärme aus dem Zürichsee entnimmt. «Bis in fünf Jahren wollen wir möglichst den ganzen Zoo mit dieser umweltfreunlichen Energie versorgen», sagt Franco Knie. Sogar der gefrorene St. Moritzersee auf rund 1800 Metern über Meer hat noch genügend Potential, um einen Teil der Wärme des Hotels «Badrutt's Palace» zu decken.

In der Schweiz wird bereits seit 1938 Seewasser zur Wärmegewinnung genutzt. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) schreibt dazu: «Weil sich die Erde zunehmend erwärmt, wird es immer wichtiger, weniger Kohlendioxid-erzeugende fossile Brennstoffe zu nutzen und mehr auf umweltfreundlichere Energiequellen zu setzen. Die thermische Nutzung von Bodensee-Wasser leistet hierzu schon heute einen Beitrag.»