Anna Göldi - rehabilitiert, aber noch zu wenig erforscht

Eveline Hasler machte mit ihrem Roman «Letzte Hexe» Anna Göldi zu einer der bekanntesten Romanfiguren der Schweiz. Die Hexe war damit im Gespräch und wurde vor einigen Jahren von der Politik rehabilitiert. Kathrin Utz, Historikerin und Hexenforscherin, hätte sich mehr Forschungsarbeit gewünscht.

2008 rehabilitierte die Glarner Regierung die sogenannte letzte Hexe Europas, Anna Göldi. Vorstösse aus dem Parlament gaben den Anlass. In früheren Jahren hatte sich die Glarner Regierung gegen die Rehabilitierung gewehrt. Ihre Begründung damals: Anna Göldi sei in den Köpfen der Glarner und Glarnerinnen schon längst rehabilitiert.

«  Rehabilitation ja, dann hört das Gestürm auf. Geld für eine historische Aufarbeitung, nein. »

Kathrin Utz
Historikerin und Hexenforscherin

Die Autorin des Buches, Eveline Hasler, begrüsste allerdings diese offizielle Rehabilitierung: «Anna Göldi darf man nicht vergessen. Wenn wir Menschen abseits der Gesellschaft, wie Anna Göldi, vergessen würden, wäre das eine Art Amputation des Gedächtnisses.»

Diese Meinung teilt die Historikerin und Hexenforscherin Kathrin Utz. Sie allerdings sähe die Rehabilitation erst in einem zweiten Schritt. Für diesen müsste Göldis Geschichte ganz erforscht sein, die Mechanismen klar aufgezeigt, die auf tragische Weise zusammen gespielt hätten.

Kathrin Utz hat die politische Diskussion in Glarus, wie auch eine ähnliche Diskussion in Freiburg, beobachtet und bewertet sie kritisch: «Rehabilitation ja, dann hört das Gestürm auf. Geld für eine historische Aufarbeitung, nein.»

Die letzte Hexe Europas, Anna Göldi, scheint in Glarus eine umstrittene Figur zu bleiben. Historiker wollen mehr Antworten. Die Politik hat das Thema abgehakt.

(Regionaljournal Sommerserie, 07:32 und 17:30 Uhr)