Das Chur seiner Jugend gibt’s nicht mehr

Mit «Adalina» landet Silvio Huonder 1997 einen Überraschungserfolg. Die tragische Geschichte von Johannes Maculin spielt im Chur der 60er- und 70er-Jahre. Huonder ist es gelungen, die Stimmung dieser Jahre zu Papier zu bringen. Huonder selbst ist in Chur aufgewachsen. Wie erlebt er die Stadt heute?

Johannes Maculin verlässt seine Heimatstadt Chur, nachdem seine erste grosse Liebe, seine Cousine Adalina, durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Jahre später kehrt er zurück nach Chur und wird dort auf brutale Weise mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Welche Schuld trägt er selbst am Tod von Adalina?

Auch der Autor des Buchs, der Bündner Silvio Huonder, hat seiner Heimat in jungen Jahren den Rücken gekehrt. 1954 in Chur geboren, wächst er im Rheinquartier auf, dort spielt dann auch sein Roman. Heute lebt der Schriftsteller seit beinahe 30 Jahren im Ausland, mittlerweile in der Nähe von Berlin.

«  Ich bin emotional nicht mehr so eng verbunden mit Chur. »

Heute besucht er regelmässig seine Heimat. Die Entwicklung der Stadt beäugt er kritisch. Bereits in seiner Jugend habe sich die Stadt in eine Richtung bewegt, die ihm nicht gefallen habe. Das Siedlungsgebiet hat sich ausgedehnt, es sind Hochhäuser und anonyme Mehrfamilienhäuser entstanden, die Stadt sei austauschbar geworden, sagt Huonder heute. «Ich bin emotional nicht mehr so verbunden mit Chur», sagt er.

(Regionaljournal Sommerserie, 07.32 und 17.30 Uhr)