Ungeahnte Kräfte Ein Kletterbaum wird zum Pilgerort

Knorriger BAum.

Bildlegende: AT verlag

Ein Stamm, der parallel zum Boden wächst. Dieser Apfelbaum in Aesch/Forch (ZH) hatte es mir angetan. Hier oben liess es sich wunderbar träumen und Geheimnisse mit der besten Freundin austauschen. Dass hier ein Kraftort sein sollte, war mir unbekannt – und gespürt habe ich auch nichts.

Buch

Bildlegende: Blanche Merz/at verlag

Viele Jahre später dann war es vorbei mit der Ruhe auf meinem Apfelbaum. Ein Buch über Kraftorte war Schuld daran. Dieser Flecken Erde sei der stärkste Kraftort der Welt, hiess es. Und fortan strömten scharenweise Menschen zu meinem Baum, umkreisten ihn, picknickten oder zelteten auf der Wiese.

Frau vor einem Apfelbaum.

Bildlegende: Religionswissenschafterin und Kraftortforscherin Dr. Andrea Fischbacher SRF

Kraftortforscher wie Andrea Fischbacher sagen, sie können an diesem Ort nicht zu lange bleiben. Sie würden beinahe abheben. Messen können sie die Erdkraft noch nicht. Sie verlassen sich auf ihren Körper und ein Pendel. Um die Intensität der Schwingungen zu vergleichen, bedienen sie sich der sogenannten Bovis-Einheiten.

Porträt.

Bildlegende: Hansruedi Maurer, Professor für Erdwissenschaften an der ETH Zürich eth zürich

Bei der Kraftortforschung zählt also das subjektive Empfinden. Und genau damit hat die objektive Wissenschaft Mühe. So etwa Hansruedi Maurer, Professor für Geophysik an der ETH Zürich. Es gebe sicher Orte, an denen sich Menschen besonders wohl fühlten. Aber die Kraftorte seien physikalisch nicht belegbar.

Frau vor einer Wiese mit Wolken am Horizont.

Bildlegende: SRF

Ich selber bin hin- und hergerissen. Fakt ist, dass ich gerne an diesem Ort war und bin. Auch wenn der Baum inzwischen nicht mehr ist. Er wurde Opfer des Sturms Lothar. Mit dem Verschwinden des Baums verschwanden auch die Scharen von Menschen. Und an diesem besonderen Ort kehrte wieder Ruhe ein.

(SRF1, Regionaljournal, 6.32/17.30 Uhr)