Gewalt und Schönheit der Natur in Derborence

C.F. Ramuz beschrieb in «Derborence» bildgewaltig, was ein Felssturz anrichten kann: mit der Landschaft und mit den Menschen. Heute ist das Unglück von damals ein Glück für die Walliser.

Derborence, ein Seitental bei Conthey im Mittelwallis, hat den Schriftsteller Charles Ferdindand Ramuz 1936 zu seinem gleichnamigen Klassiker inspiriert. Zwei Besuche und besonders die vielen Legenden, die mit den grossen Bergstürzen von 1714 und 1749 verwoben sind, haben den Waadtländer beeindruckt.

Nichts von seiner Faszination verloren

Noch heute spürt man die Magie dieses Ortes, der nur im Sommer zugänglich ist: Es gibt einen geschützten Urwald, der seit der Katastrophe vor mehr als 300 Jahren nie mehr bewirtschaftet worden ist. Der Bergsee hat nichts von seiner Schönheit verloren, obwohl er immer kleiner wird. Und vor allem entdecken Besucher Tausende von Felsblöcken, die nach und nach von Gras und Bäumen überwuchert werden.

Entdecken kann man die Gegend auf eigene Faust. Oder mit Jaques Sauthier, der für die lokale Tourismus-Organisation Führungen anbietet. «Ich liebe Derborence. Es ist mein Paradies», schwärmt der pensionierte Postangestellte. Als Kind verbrachte er jeden Sommer hier. Wie der Hirte Antoine in Ramuz' Roman sorgte er für die Tiere seiner Familie.

Die Kraft der Natur beeindruckt

«Bei jedem Gewitter lösen sich Felsbrocken vom Diablerets-Massiv. Es rumpelt und kracht genauso, wie Ramuz das beschrieben hat», sagt Jaques Sauthier. Weil sich der Fels bewegt, verändert sich die Landschaft ständig. Sie muss genau beobachtet werden: Forscher überwachen die Felsbewegungen in der Gegend mit sensiblen Messgeräten. So sollen die Menschen früh genug gewarnt werden können, damit sich eine Katastrophe mit 14 Toten wie jene von 1714 nie wiederholt.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 06:32 und 17:30 Uhr)

Über das Buch

Über das Buch

Der Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz (geb. 1878 in Lausanne) schrieb «Derborence» 1936. Der Roman beschreibt, wie Hirtenbub Antoine als einziger die Katastrophe im Diablerets-Massiv überlebt hat. Er beruht auf den Ereignissen von 1714. Auf Deutsch erschien der Roman zuletzt beim Limmat Verlag. Im Moment ist das Buch allerdings vergriffen.