Musikzentrum Sedel Im ehemaligen Gefängnis schwebt noch immer der Geist des Punks

Aussenansicht eines ehemaligen Gefängnisses. Aussenfassade ist besprayt.

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Das ehemalige Gefängnis befindet sich am Stadtrand von Luzern. Neben einem Club, in welchem immer wieder Konzerte stattfinden, proben im Sedel diverse Luzerner Bands.

Offene Türe. An den Wänden hängen Fotos von Konzerten.

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Der Sedel hat die Düsterheit eines alten Gefängnisses schon lange nicht mehr. Die Wände sind bunt besprayt, überall hängen Plakate oder Fotos von Musikern, aufgenommen an einem Sedelkonzert. Der Punk ist im Sedel noch immer spürbar.

Proberaum im Sedel mit Schlagzeug und Gitarren. Ziemliches Durcheinander.

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Im Sedel gibt es 54 Proberäume. Sie sind sehr begehrt, dies zeigt eine lange Warteliste. Proberäume sind entweder ein, zwei oder drei ehemalige Gefängniszellen gross.

Mit der Band Melk Them hat SRF Redaktorin Tuuli Stalder in den 90er Jahren zwei Mal in der Woche im Sedel geprobt. Sie besuchte auch an den Wochenenden im alten Gefängnis Konzerte, sofern sie nicht gerade selber für ein Konzert unterwegs war.

Konzertbühne mit zwei Sängerinnen und einem Bassisten. Alles in rotem Licht

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In dieser Zeit war Martin Gössi Abwart im Sedel. Als 1981 der Sedel zum Musikzentrum wurde, war Gössi ein 16-jähriger Punk. Schon bald probte er selber mit seiner ersten Band in einer ehemaligen Gefängniszelle. Auch heute noch ist er dem Sedel treu geblieben und macht Punkmusik mit der Band «Moped Lads». Tuuli Stalder kommt heute noch ab und zu für ein Konzert in den Sedel.

Ein Mann und eine Frau vor einer bunten Wand

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Dass es zum Musikzentrum Sedel kam, dafür brauchte es ein Zusammenspiel verschiedener Aspekte: Eine Jugend, die sich lautstark für Proberäume einsetzte, einen Schuldirektor, der ein Gehör dafür hatte, ein altes Gefängnis, welches dem Kanton gehörte und leer stand, und die Jugendkrawalle in Zürich, die man in Luzern vermeiden wollte.

Porträt Ueli Habegger - älterer Herr mit weissen Haaren

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Ueli Habegger, ehemaliger Denkmalpfleger der Stadt Luzern, war anfangs der 80er Jahre pädagogischer Mitarbeiter der Schuldirektion. Er hat die Entstehung des Musikzentrums Sedel hautnah mitbekommen.

Er glaubt nicht, dass heute ein Haus wie der Sedel noch möglich wäre. «Heute gibt es andere Voraussetzungen, die Leute sind auf ihre eigenen Vorteile aus.» Ganz abgesehen davon würden Grundeigentümer heute in einem so grossen Gebäude wie dem Sedel eher ein Start-up unterbringen, sagt Ueli Habegger weiter.

Ein junger Mann steht mit verschränkten Armen vor einer schwarz-weiss gekachelten Wand

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Neues entstand aber trotzdem. Die Stadt Luzern schrieb vor vier Jahren das ehemalige Hallenbad zur Zwischennutzung aus. Den Zuschlag erhielt der Verein Netzwerk Neubad. Aurel Jörg war damals dessen Präsident. Das junge Team hat mit der Stadt geschickt verhandelt. Die Stadt stellte die Hülle zur Verfügung.

Band mit Publikum. Band spielt in einem ehemaligen Hallenband mit weissen Kacheln.

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Das Neubad-Team sorgt für alles andere. Es hat das ehemalige Hallenbad umgebaut, kommt für die Nebenkosten auf und stellt das Programm zusammen. Im ehemaligen Schwimmbecken finden Konzerte oder Theateraufführungen statt. Der Eingangsbereich wurde in eine Beiz umgewandelt.

Ein Mann arbeitet am Computer im Hintergrund ein Büchergestell

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Da, wo früher die Umkleidekabinen waren, sind Ateliers untergebracht. Man habe sich sehr schnell professionalisieren müssen, sagt Aurel Jörg. Das Neubad ist inzwischen zu einem kleinen KMU-Unternehmen angewachsen und zählt 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Allerdings hat dieses Unternehmen eine zeitliche Beschränkung. In ein paar Jahren muss das Kulturhaus einer Überbauung weichen.

(SRF1, Regionaljournal 6.32/17.30 Uhr)