Stille im Ausgehviertel Im Mattequartier hört man die Aare wieder plätschern

Blick auf die Aare. Im Hintergrund eine Brücke.

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Silo-Bar, Broncos-Loge oder Wasserwerk: So hiessen die Ausgehtempel in der unteren Berner Altstadt. In den Neunzigerjahren und in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends war das Mattequartier Berns Vergnügungsmeile. Hier steppte einst der Bär. Heute ist Ruhe eingekehrt in der Wasserwerkgasse. SRF-Redaktor Michael Sahli (Bild) erinnert sich.

In der Gasse steht der SRF-Redaktor

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Das Partyvolk war überall. Die Leute kamen mit den Töfflis, mit den Autos. Sie zogen durch die Strassen. Sehr zum Unmut zahlreicher Quartierbewohner. Lärmende Nachteulen hinterliessen in den Gassen – unübersehbar – ihre Spuren.

Abfallcontaier mit der Aufschrift Wassergasse. Darauf stehen leere Petflaschen und Bierdosen und -bescher.

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Für Rosmarie Bernasconi, die heute in der Matte einen Buchladen betreibt, war der Partylärm teilweise nicht zum aushalten. «In dieser Zeit konnte man nicht mit offenem Fenster schlafen», sagt sie.

Rosmarie Bernasconi in ihrem Buchladen

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Es sei keine lustige Zeit gewesen, sich in all den Nächten mit jungen Übermütigen, Vandalen oder lärmenden Heimkehreren rumzuschlagen, sagt Bernasconi. «Mit der Zeit nahm unsere Gastfreundschaft ab», sagt sie.

Die Umgebung – so wie der Eingangsbereich des Waserwerk-Clubs – wirkte tagsüber teilweise etwas heruntergekommen. Die Lebensqualität im berühmten Mattequartier galt als gefährdet.

Haueingang, Graffiti an der Haustüre und den Briefkästen.

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Die Mattebewohner deckten die zahlreichen Clubs und Bars mit Lärmklagen und Einsprachen ein. So auch den Betreiber des Wasserwerk-Clubs, Alberto Gomez. Das Logo seines Konzertlokals prangt heute noch im Treppenhaus – doch der Hochbetrieb von einst ist verschwunden.

EIn Mann steht in einem Treppenhaus.

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«Die Matte war der Hotspot der Stadt», erinnert sich Gomez – enorm belebt, von Donnerstagabend bis zum frühen Sonntagmorgen. Gomez veranstaltete von 1992 an 20 Jahre lang hunderte von Konzerten. Darunter waren auch etliche internationale Berühmtheiten. «Die Begegnungen mit all den Künstlern waren intensive, bleibende Erlebnisse.»

«  Einzelne Anwohner haben uns mit Hilfe von Behörden und Gesetzen das Genick gebrochen. »

Alberto Gomez

Er wohnt heute noch in der Matte – und betreibt ein Tonstudio, gleich oberhalb des ehemaligen Clubs.

Die fehlende Möglichkeit, die Betriebszeiten zu erweitern sowie die Musik lauter zu machen, führten 2014 schliesslich zum Aus des Wasserwerks. Heute ist die Stimmung im Quartier friedlich und entspannt. Am Mattebach sind lauschige Zeiten angebrochen.

Mattebach, der durchs Quartier fliesst.

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Soweit man sich erinnern kann, war das Berner Mattequartier ein lebendiger Ort. Am Fusse der Berner Altstadt gelegen, direkt an der Aare galt die Matte einst als Armenhaus der Stadt.

Mit der Industrialisierung siedelten sich hier Fabriken an, die dank der Wasserkraft produzierten. Die Matte, am Fuss der Altstadt, ächzte und stöhnte. Und pulsierte. Kulturelle Darbietungen und Feste gehörten jahrelang mit zum Lebensgefühl im Mattequartier. Zum Beispiel das Aarefestival 1991.

Am Aarefestival 1991. Publikum sieht Darbietung.

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Der Fluss – die einstige Pulsader des Quartiers – rückte angesichts der grassierenden Ausgehwelle etwas in den Hintergrund. Doch jetzt, nach dem die Clubs geschlossen sind und das Partyvolk weitergezogen ist, höre man sie wieder plätschern, die Aare, bemerkt Anwohnerin Rosmarie Bernasconi.

Blick von der Münsterplattform auf das Mattequartier in Bern,

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Die Liegeschaften in der Matte galten stets als günstig. Deren Ausbau als einfach. Die Bewohner feierten das Leben – wenn auch nicht auf grossem Fuss. Das machte die Ansiedlungen von Restaurationsbetrieben und später etlichen Clubs und Bars in der unteren Altstadt überhaupt erst möglich.

(SRF1, Regionaljournal, 6.32/17:30 Uhr)