Aus Nazi-Nest wird eine Stadt Langenthal schüttelt die rechtsradikale Vergangenheit ab

Zeitungsartikel über gewalttätige Übergriffe auf Tamilen

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Im Herbst 1987 eskaliert die Gewalt junger Rechtsextremer in Langenthal. Tamilen werden auf offener Strasse verprügelt. Bereits in den Jahren zuvor geschahen Übergriffe, in diesem Herbst aber gehäuft. Langenthal gerät deswegen verstärkt in den medialen Fokus in der Schweiz: «In Langenthal leben viele Tamilen in Angst», «La chasse aux Tamouls», «Unheimlicher Traum vom Feinde-Töten» - derart titeln Tageszeitungen.

Auch zu Beginn der 90er Jahre waren Gewalt und Rechtsextremismus in Langenthal noch aktuell. Und sie waren es auch schon vorher.

1987 war Langenthal in seinem Selbstverständnis ein Dorf. Als wirtschaftliches Zentrum der Region Oberaargau im Kanton Bern, trotz respektabler Grösse von 14'000 Einwohnern, hatte Langenthal keine Antwort auf städtische Probleme wie Jugendgewalt. Im Herbst 1987 wirkten die Behörden der Stadt hilflos und überfordert, niemand schien Antworten auf die Sorgen und Anliegen der jungen Menschen zu haben. Schon gar nicht auf die Auswüchse der rechtsextremen Jugendlichen.

Foto der antirassistischen Kundgebung in Langenthal aus dem Album von Hannes Käser

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Eine Antwort auf die Gewalt lieferte die «andere» Jugend Langenthals - unter anderem mit einer «Antirassistischen Kundgebung» im November 1987.

Über 1000 Personen spazierten an der Kundgebung durch Langenthal mit.

Hannes Käser - vor 30 Jahren Aktivist gegen Rechtsradikale

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Hannes Käser hat als junger Mann diese Kundgebung mitorganisiert, Behörden von damals und die Gewalt der Rechtsextremen kritisiert. Heute sagt Käser: «Die Welt ist zu uns nach Langenthal gekommen.» Das «muffige» Dorf von einst erlebte einen «positiven Sog» und wurde zu einer vielfältigen, multi-kulturellen Kleinstadt.

Dass Hannes Käser heute so urteilt, steht wohl auch mit der Arbeit von Fred Stettler in Zusammenhang. Fred Stettler baute von 1975 an die Jugendarbeit im Oberaargau auf. Er und sein Team waren die ersten, welche sich auf professionelle Art mit der Jugend auseinandersetzten.

 Fred Stettler Jugendarbeiter im Oberaargau 1975-2000

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Für die Behörden stand aber nicht der Rechtsextremismus als Problem im Vordergrund. «Das hat man gar nicht wargenommen», denkt Fred Stettler in die späten 1980er Jahre zurück. Im Vordergrund seien auch für die Stadt Langenthal die Drogen gestanden.

Und heute - 30 Jahre nach den Gewalttaten gegenüber Tamilen?

No Skins - Graffiti beim Bahnhof Langenthal

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Ein Graffiti beim Bahnhof Langenthal gibt eine eindeutige Botschaft. Aber ist es so?

Denn ohne die rechtsradikale Vergangenheit Langenthals wäre die PNOS, die Partei National orientierter Schweizer in dieser Region nicht so stark verankert. «Die PNOS steht im Zusammenhang mit diesen Vorfällen in den 80er Jahren», sagt Hans-Jürg Käser, ab 1994 Stadtpräsident von Langenthal und heute Sicherheitsdirektor des Kantons Bern.

Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser

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Doch wer heute die Stadt Langenthal als «Nazi-Nest» bezeichnet, der irrt. Und Hannes Käser hat Recht: Die Welt ist nach Langenthal gekommen. Und wer eine gleich grosse Stadt irgendwo in Europa finden will, welche gleiches zu bieten habe wie Langenthal, der müsse lange suchen.

Autor Matthias Baumer - 1987 ein 14-jähriger Jugendlicher

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Dem gibt es nichts beizufügen. Findet auch der Autor.

(SRF1, Regionaljournal 6.32/17.30 Uhr)