In den Hallauer Rebbergen Von den «sauren Ostschweizern» spricht heute niemand mehr

Rebberge von Hallau mit der Bergkirche.

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Schaffhausen ist ein typischer Weinbaukanton. Hallau, wo vor allem Blauburgunder produziert wird, verfügt gemeinsam mit den Nachbargemeinden über das grösste zusammenhängende Rebbaugebiet der ganzen Deutschschweiz. So viele Reben bringen viel Arbeit mit sich.

Ein kleiner Junge mit seinem Vater in den Reben.

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Diese Erfahrung machen im Kanton Schaffhausen schon kleine Kinder. Auch unser Reporter Roger Steinemann (hier 1972 als kleiner Knirps mit seinem Vater) war schon früh von den Rebstöcken fasziniert.

Später fand er es dann aber einigermassen mühsam, dass er jeweils die Herbstferien in den grosselterlichen Hallauer Reben verbringen und tatkräftig bei der Traubenlese anpacken musste, wenn er sich sein Sackgeld verdienen wollte. Heute haben er und seine Familie nichts mehr mit dem Weinbau zu tun.

Begrünter Boden im Rebberg.

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Optisch hat sich der Rebberg stark verändert. Früher waren die Böden gejätet, steckten die Rebstöcke in der nackten, von Unkraut befreiten Erde. Heute lassen die Winzer das Gras stehen, Blumen blühen zwischen den Rebstöcken. Der Boden wird so weniger weggeschwemmt, und es machen sich Nützlinge breit. Dadurch muss auch weniger gegen Schädlinge gespritzt werden.

Junge Beeren am Rebstock.

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Die grösste Veränderung brachte aber die rigorose Mengenbegrenzung. In den Neunzigerjahren stürzte der Schaffhauser Weinbau in die Krise. Als Reaktion darauf mussten die Winzer grundlegend umdenken und auf Qualität statt Quantität setzen. Heute ist genau vorgeschrieben, wieviele Kilogramm Trauben pro Quadratmeter wachsen und geerntet werden dürfen.

Winzer Erich Gysel bei der Arbeit in den Reben.

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Winzer wie Erich Gysel müssen heute aber mehr können, als nur Reben pflegen und Trauben ernten. Auch Winzer, die nicht selbst keltern, arbeiten heute viel enger mit den Kellermeistern zusammen und sind auch in die Vermarktung des Weins aus ihren Trauben eingebunden.

Sie kümmern sich um interessierte Gäste im Weinberg und geben Auskunft über ihre Arbeit. «Sie müssen heute mehr können als nur darüber zu jammern, dass es im Sommer heiss ist und man kein Geld verdient», betont Gysel.

Restaurierte Rebhütte mit Blumen geschmückt.

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Heute spricht niemand mehr, der etwas von Wein versteht, von den «sauren Ostschweizern». Die Weine aus der Blauburgunder-Region werden im In- und Ausland gelobt und mit Goldmedaillen prämiert. Junge Winzer probieren Neues aus und vertreten ihren Beruf und ihre Weine mit Stolz. Von Krise ist, solange das Wetter mitmacht, in den Hallauer Reben jedenfalls nichts zu spüren.

Auch die alte Rebhütte, die einst Roger Steinemanns Grossvater in Hallau gehörte, erstrahlt – von den neuen Besitzern liebevoll restauriert – in neuem Glanz.

(SRF1, Regionaljournal 6.32/17.30 Uhr)