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Ammoniak in Luft und Böden «Der Kanton Luzern ist noch weit entfernt vom Ziel»

Der Ammoniak-Ausstoss sollte bis 2030 um 30 Prozent gesenkt werden. Laut dem Umweltdirektor wird das nicht möglich sein.

Bericht zeigt Schwächen auf: Wie gesund sind Boden, Luft und Wasser im Kanton Luzern? Mit dieser Frage hat sich der Umweltbericht 2018 der Regierung beschäftigt. Er zeigt: In einigen Bereichen verfehlt der Kanton die gesetzlichen Anforderungen. Und die Ziele bis 2030 sind wohl zu hoch gesteckt.

Blick auf den Sonnenberg bei Luzern, Schlund, Bireggwald und Horw.
Legende: Blick auf den Sonnenberg bei Luzern (links), Schlund, Bireggwald und Horw. zvg / Kanton Luzern

Nicht zu viel verbauen: Grösstes Sorgenkind sei für ihn der Boden, sagte Umweltdirektor Robert Küng am Donnerstag vor den Medien. Der Kanton ist gemäss Legislaturprogramm zu einem haushälterischen Umgang damit angehalten. Alleine im Kanton entstanden zuletzt jährlich 66 Hektaren zusätzliche Siedlungsgebiete. Das sind drei Einfamilien-Parzellen im Tag. Ein Schwerpunkt des Legislaturziels bis 2019 ist denn auch die Verdichtung nach innen.

Ein Traktor bringt mit Schleppschläuchen Jauche aufs Feld.
Legende: Mit solchen Schleppschläuchen kann beim Güllen der Ausstoss von Ammoniak deutlich gesenkt werden. Keystone (Symbolbild)

Zu viele Nährstoffe: Die Nutztierdichte ist im Kanton Luzern, verglichen mit anderen Kantonen, überdurchschnittlich hoch. Immerhin: Seit 2008 ist sie stabil geblieben. Das Problem: Nahrungsmittel für die Nutztiere werden zugekauft und bleiben schliesslich in Form von Mist und Gülle hier.

Das Problem mit dem Gas: 90 Prozent der Ammoniak-Emissionen im Kanton Luzern stammen aus der Landwirtschaft. Die Folgen: Bodenversauerung, Gefährdung der Artenvielfalt und des Grundwassers durch Nitrat. Gemäss einem 2007 entworfenen Massnahmenplan des Kantons sollte die Ammoniak-Emission bis im Jahr 2030 (verglichen mit 2010) um 30 Prozent auf noch rund 3000 Tonnen reduziert werden. Mit Massnahmen wie etwa Schleppschläuchen beim Güllen wurde 2015 eine Reduktion von 4,5 Prozent erreicht.

Weitere Massnahmen sollen folgen: Man sei, sagte Umweltdirektor Robert Küng am Donnerstag, noch weit entfernt vom Ziel. «Vielleicht waren die damals gesteckten Ziele zu hoch.» Gerade in der Landwirtschaft befinde man sich in einem Spagat zwischen Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Ein Offenstall etwa bedeutet höhere Emissionen. Man sei mit den Bauern im Austausch, Ende Jahr werde ein Bericht zu Massnahmen vorgelegt.

Ein Schiessgraben der Armee in der Biosphäre Entlebuch.
Legende: Der Schiessplatz Wagliseichnubel oberhalb von Sörenberg. Er wird aktuell teilweise zurückgebaut und saniert. Karin Portmann / SRF

Geschädigte Standorte bestimmen: Eine weitere Baustelle sind die 900 belasteten Standorte, die Mensch und Umwelt gefährden können. Die Erfassung sei noch nicht abgeschlossen. Gemäss Erfahrungen aus anderen Kantonen dürften rund 350 solcher Standorte untersuchungsbedürftig sein – zum Beispiel Schiessanlagen, Deponien oder Betriebe, in denen umweltschädliches Material verarbeitet wurde.

Ein Mann entnimmt eine Wasserprobe aus einem Bach.
Legende: Luzerner Gewässer sind unter anderem mit Düngstoffen und Pestiziden aus der Landwirtschaft belastet. zvg / Kanton Luzern

Im Auge hat der Bericht auch die Gewässer: So sind einerseits über 40 Prozent in ihrer Form zu wenig naturnah. In den kommenden 20 Jahren sollen daher 70 Kilometer revitalisiert werden. Anderseits belastet Phosphor den Baldegger- und den Sempachersee. Um bei letzterem eine Naturverlaichung der Felchen zu ermöglichen, müsste der Phosphoreintrag halbiert werden. Verbesserungen gab es in den letzten zehn Jahren bei der Abwasser-Behandlung, etwa durch die Zusammenfassung von kleineren Abwasserreinigungsanlagen (ARA), was zu höherem Reinigungsgrad führte.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Stephan Poetsch (StephanP)
    „Bis 2030 überfordert...“ wenn man bedenkt, dass bis 2030 die meisten heutigen Landwirte schon in Rente sein werden bedeutet das Statement schlicht: „Weiter so, ohne Rücksicht, und nach uns die Sintflut.“ Wie immer also, wenn die Chemielobby den Ton bestimmt.
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