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Animal Politique im Ruhestand Louis Schelbert freut sich jetzt auf viel freie Zeit

SRF News: Louis Schelbert, war es ein anderes Aufstehen am ersten Morgen im neuen Leben als Alt-Nationalrat?

Nicht ganz, denn ich musste noch fertig aufräumen im Bundeshaus. Um acht Uhr war ich schon wieder auf dem Zug in Richtung Bern. Ich habe jetzt auch den Badge erhalten, den alle Ehemaligen bekommen. So habe ich weiterhin Zutritt zum Bundeshaus.

Heisst das, Sie werden jetzt zum Lobbyisten?

Das bin ich eigentlich schon zu einem gewissen Grad. Und ich bin schon lange der Meinung, dass die grössten Lobbyisten die Parlamentsmitglieder selber sind. Dass diese manchmal über die anderen «husten», finde ich etwas seltsam. Aber dies ist vielleicht eine gute Möglichkeit, von sich selber und den eigenen Interessen abzulenken.

Sie sind ein «Animal politique». Ich denke, nach 40 Jahren aktiver Politik kann man nicht einfach den Schalter kippen.

Ich werde mich natürlich als aktiver Stimmbürger mit politischen Fragen auseinandersetzen. Dazu werde ich über einen gewissen Zeitraum noch die Präsidien zweier Schweizerischer Verbände behalten. Das ist zum einen «Wohnbaugenossenschaften Schweiz» und zum anderen «Arbeitsintegration Schweiz». Dort bleibt mir der Kontakt mit Bundesbehörden erhalten - auch mit den jeweils zuständigen Bundesrätinnen und Bundesräten.

Machen wir eine Rückblende auf Ihre 12 Jahre in Bern. Sie haben 139 Vorstösse eingereicht, viele zur Landwirtschaftspolitik, aber auch zu Finanzfragen, Bildung, Asyl, Fluglärm - wofür schlägt Ihr Herz am meisten?

Es sind zwei Fragen, die mich immer beschäftigt haben. Zum einen ist dies die soziale Frage, zum anderen die Frage von Energie und Umwelt. mit den Vorstössen ist es möglich, bestimmte Themen aufzurufen oder bei der Verwaltung eine Verbesserung zu erzielen. Dies ist in vielen Fällen gelungen. Ich habe dies immer in enger Zusammenarbeit mit Verbänden getan, sei es im Bereich Umwelt und Energie oder auch ökologische Tierhaltung.

Sie sind ein Politiker, der sehr gerne debattiert, gerne fundiert argumentiert. Von aussen hat man den Eindruck, der politische Stil im Parlament habe sich geändert, man müsse mehr poltern, wenn man will, dass die Voten gehört werden - mussten Sie anfangen Ihre Voten umzuschreiben, damit man Sie noch hörte?

Nein, eigentlich nicht. Obwohl man in meiner Fraktion gewünscht hätte, ich würde schärfere Worte benutzen - mehr für die Galerie reden sozusagen. Aber das entspricht mir nicht. Mir ist es wichtig, dass, wenn ich mich äussere, ich meine Wortmeldung auch zwei Tage später noch hören könnte, ohne mich für mich selber zu schämen.

Und worauf freuen Sie sich nun am meisten? Was machen Sie jetzt?

Es ist weniger das «Etwas Machen» als das «Nichts Machen». Ich hatte eine sehr lange Phase in meinem Leben, in der meine Agenda bestimmt war von den Aufgaben, die ich übernommen habe. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit, die Agenda da und dort offen zu behalten. Ich freue mich auch darauf, daheim wieder mehr anzupacken im Haushalt. Das war in den letzten 12 Jahren nur noch unregelmässig möglich. Was jetzt schon geplant ist: Ich wandere mit meinem Bruder von Bern nach Hause. Gemeinsam geht es bis nach Langenthal. Dann geht er weiter in Richtung Basel und ich in Richtung Luzern. Diese Woche werde ich geniessen.

Das Gespräch führte Mirjam Breu

Louis Schelbert - ein «homo politicus»

Louis Schelbert (65) politisierte über 40 Jahre für Parteien im links-grünen Spektrum. Er war Mitglied des Luzerner Stadtparlaments und des Luzerner Kantonsrats. Zuletzt vertrat er die Anliegen der Grünen während 12 Jahren im Nationalrat. Dort war er am Schluss Mitglied der Wirtschaftskommission, der Geschäftsprüfungs- und der Gerichtskommission. Er setzte sich im Rat vor allem für die Ökologie und mehr soziale Gerechtigkeit ein. Aktuell präsidiert er zwei gesamtschweizerische Verbände, «Wohnbaugenossenschaften Schweiz» und «Arbeitsintegration Schweiz».

Louis Schelbert ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.

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