Kanton Luzern ohne Budget Bauprojekte sind sistiert – Unternehmen unter grossem Druck

Wegen des budgetlosen Zustands darf der Kanton nur die nötigsten Ausgaben tätigen. So werden etwa Projekte im Tiefbau zurückgestellt. Für die betroffenen Unternehmer habe das teils weitreichende Konsequenzen, so Kurt Zurfluh, der Geschäftsführer des Zentralschweizer Baumeisterverbands.

SRF News: Ich nehme an, die Zentralschweizer Baumeister, allen voran die Luzerner, haben keine Freude am Abstimmungsergebnis vom Sonntag.

Kurt Zurfluh: Nein, natürlich nicht. Die ersten Diskussionen liefen bereits im November und Dezember 2016, als man wusste, dass es im Kanton Luzern zu einem budgetlosen Zustand kommen könnte. Damals waren die Unternehmer relativ sportlich und rechneten damit, dass sich die Situation Mitte 2017 klären würde. Doch mit dem Nein vom Sonntag zur Steuererhöhung und dem dadurch verlängerten budgetlosen Zustand sind die Spielregeln nun anders und die Herausforderungen grösser. Die Tiefbau-Saison läuft vom April bis im Herbst. Jetzt noch neue Aufträge zu generieren wird relativ schwierig.

Können Sie konkrete Beispiele nennen von Betrieben, die besonders betroffen sind?

Es gibt Unternehmen, die einen Grossteil ihres Jahresumsatzes mit Aufträgen des Kantons erwirtschaften. Diese Unternehmer haben sich bei mir gemeldet und wollten wissen, welche Möglichkeiten sie nun haben – sei es über Kurzarbeit oder Entlassungen. Das zeigt mir, dass gewisse Unternehmer in der Branche mit dem Rücken zur Wand stehen.

Wenn man aber nicht Kurzarbeit einführen oder Leute entlassen will, bleibt nur eines: Andere Aufträge akquirieren.

Das ist so. Kommt dazu, dass die Preise nun wohl weiter fallen werden. Denn es wird Unternehmen geben, die auf dem Markt nach Aufträgen suchen.

Quasi nach dem Motto «lieber einen Auftrag zu günstigen Konditionen an Land ziehen und die Angestellten beschäftigen können als Kündigungen aussprechen zu müssen»?

Das ist ein strategischer Entscheid, den jeder Unternehmer individuell treffen muss – ob er einen günstigen Auftrag annimmt und vielleicht gar noch drauflegt oder ob er die Leute in Kurzarbeit beschäftigt oder einen anderen Weg wählt.

Das Gespräch führte Silvan Fischer.