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50 Jahre EV Zug «Beim Meistertitel verwandelte sich Zug in Neapel»

Eugen Thalmann verfasste ein Buch zum Jubiläum. Er blickt auf Highlights und Tiefpunkte in der Geschichte zurück.

Legende: Audio «Ich gehe an den Spielen immer sehr emotional mit» EVZ Kenner Eugen Thalmann (29.8.2017) abspielen.
5:06 min

SRF News: Im Jahr 1998 wurde der EVZ zum ersten und einzigen Mal Schweizermeister. Erinnern Sie sich an diesen Abend, wie wenn es gestern gewesen wäre?

Eugen Thalmann: Das ist so. Das kann man nicht vergessen. Am 11. April 1998 absolvierte das Team das sechste Playoff-Finalspiel auswärts gegen Davos. Sie wollten das Spiel unbedingt gewinnen und haben das sauber durchgezogen. Als Fan hatte man den Titel zu diesem Zeitpunkt schon fast erwartet.

Welche Atmosphäre herrschte in Zug, als der Meistertitel Tatsache war?

Die Stadt Zug verwandelte sich quasi in Neapel, wenn dort ein Meistertitel des Fussballclubs gefeiert wird. Die Menschen feierten wie in Süditalien, Hupkonzerte in der ganzen Nacht, die Leute stoppten Busse, schwenkten Fahnen – es war ein riesiges Chaos. Die Leute waren wirklich aus dem Häuschen.

Was war aus ihrer Sicht der schwierigste Moment des EVZ in der Vereinsgeschichte?

Schwierige Momente hatten fast immer mit dem Geld zu tun. Anfang der 1980er-Jahre stieg der Verein in die 1. Liga ab. Dort fehlte es deutlich an Geld und auch der Goodwill der Bevölkerung war nicht mehr vorhanden. Damals waren wir nahe an einem Konkurs. Und dann zu Beginn der 2000er-Jahre traten wieder Liquiditätsprobleme auf. Damals sammelten auch die Spieler des EVZ auf dem Postplatz Geld.

Sie reden von «wir»: Sie identifizieren sich also stark mit dem Club?

Sicher. Ich wuchs ja 100 Meter neben der Eisbahn auf und das spürt man bis heute.

Sie sind ein Fan der ersten Stunde. Was war das für eine Zeit 1967 auf der offenen Eisbahn im Stadion Herti?

Beim Eröffnungsturnier 1967 staunten wir, wie gross die Eisbahn geplant worden war: 6500 Zuschauerplätze für einen 2.Liga-Club. Es war eine Stimmung, die man so in Zug noch nicht gekannt hatte. Die Fülle an Emotionen auf den Rängen, der Speed des Spiels, die Intensität der Zweikämpfe: Alles das hat es damals ausgemacht.

Heute gehört der EVZ zu den Spitzenteams. Liess sich damals schon erahnen, dass der EVZ diese Entwicklung durchmachen würde?

Ich sage einmal Ja. Der EVZ legte von Anfang an einen riesigen Drive an den Tag. Die grosse Begeisterung und Verankerung in der Bevölkerung war von Anfang an vorhanden. Wir stiegen innerhalb von neun Jahren von der 2. Liga in die NLA auf – das ist unerreicht. Aber man muss schon sehen: Damals war der EVZ ein Dorfclub. Das ist nicht mehr zu vergleichen mit dem, was heute abgeht. Heute ist der EVZ eine hochprofessionelle Organisation mit einem Budget von 30 Millionen Franken. Das kann man nicht mehr miteinander vergleichen.

Sehnen Sie sich nach dem nächsten und zweiten Meistertitel des EVZ?

Ich träume wirklich von diesem zweiten Meistertitel. Die Euphorie war so gross. Auch im letzten Jahr, als der EVZ Vizemeister wurde, war die Begeisterung riesig – vielleicht fast noch intensiver als 1998. Das haben wir vorher noch nie erlebt.

Auszug aus dem Gespräch mit Eugen Thalmann. Das ganze Interview ist im Audio zu hören.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr

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