Dank Zeugnis: Zahl der «Grüselbeizen» geht in Zug zurück

Kunden von Bäckereien und Restaurants haben im Kanton Zug seit fünf Jahren die Gelegenheit, das Hygienezeugnis der letzten Kontrolle zu verlangen. Die Bilanz nach fünf Jahren ist positiv: Mehr Betriebe haben die Note «sehr gut». Das reine Wissen, dass das «Zeugnis» öffentlich ist, zeigt Wirkung.

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Öffentliche Zeugnisse gegen «Grüselbeizen» in Zug

5:07 min, aus Schweiz aktuell vom 18.2.2014

Hygienezertifikat Kanton Zug.

Bildlegende: Seit rund fünf Jahren stellt die Lebensmittelkontrolle im Kanton Zug Zeugnisse aus. zvg

Lebensmittelkontrolle in einem Bäckerei-Betrieb in Unterägeri: Gewissenhaft und genau kontrolliert Inspektorin Nicole Fries den Betrieb. Wird sauber gearbeitet? Sind die Vorräte frisch? Stimmen die Abläufe bei den Mitarbeitern? Ist die Temperatur im Kühlraum nicht höher als fünf Grad?

Lebensmittelkontrollen, wie es sie überall gibt. Doch nur im Kanton Zug bekommt der Betrieb nach jeder Kontrolle ein Hygienezertifikat – eine Art Zeugnis mit einer Bewertung zwischen «sehr gut» und «ungenügend». Speziell: Das Zeugnis ist öffentlich. Die Kunden dürfen das Zertifikat verlangen und die Wirte, Bäcker und Metzger sind verpflichtet, das Zeugnis zu zeigen.

Bei der Einführung vor fünf Jahren war dieses System sehr umstritten. Der Gewerbeverband etwa fand das Zeugnis willkürlich und befürchtete, dass eine einzige schlechte Kontrolle existenzgefährdend für den Betrieb sein könnte.

Behörden ziehen eine positive Bilanz

Nach fünf Jahren sind die Erfahrungen aber weitgehend positiv, wie Susanne Pfenninger vom Zug Amt für Verbraucherschutz sagt: «Die Zahl der sehr guten Betriebe hat sich erhöht, jene der ungenügenden wurde kleiner.» Und auch Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann (FDP) ist zufrieden mit dem System: «Der Kunde kann nicht in die Küche schauen – da ist es Aufgabe des Staates, transparent zu informieren.»

«  In unserem kleinen Kanton ist Vertrauen entscheidend, da braucht es dieses Zertifikat nicht. »

Silvan Hotz
Präsident Gewerbeverband

Ob ein Betrieb sein Zeugnis bei der Türe aufhängen will, ist freiwillig. Bisher sind es noch nicht so viele Betriebe, die dies tun. Der Präsident des Gewerbeverbandes, Silvan Hotz, ist selber Bäcker und hängt das Zeugnis trotz der Note «sehr gut» nicht auf. «Meine Kunden wissen, dass bei uns sauber gearbeitet wird. In unserem kleinen Kanton ist dieses Vertrauen entscheidend, da braucht es dieses Zertifikat nicht.»

In Unterägeri nimmt Inspektorin Fries zum Abschluss der Kontrolle eine Crèmeschnitte ins Labor. Der Betrieb sei sehr sauber, stellt sie zufrieden fest. In rund zwei Wochen wird Geschäftsführer Marcel Iten sein «Zeugnis» erhalten.