Der innere Kampf zwischen Politik und Privatleben

Wie geht man damit um, wenn die Gesellschaft einen in eine Rolle zwängt, die einem gar nicht passt? Diese Frage stellt die Oper «Norma» des italienischen Komponisten Vincenzo Bellini. Das Werk rückt eine Titelheldin ins Zentrum, die zu den faszinierendsten Frauenfiguren der Operngeschichte zählt.

Morenike Fadayomi in ihrer Rolle als «Norma» am Luzerner Theater.

Bildlegende: Morenike Fadayomi in ihrer Rolle als «Norma» am Luzerner Theater. Luzerner Theater/Tanja Dorendorf

Die Handlung

Die der Keuschheit verpflichtete gallische Priesterin Norma liebt seit Jahren Pollione, einen Vertreter der verhassten römischen Besatzungsmacht. Zwei gemeinsame Kinder stehen für ihren Verrat an Amt und Vaterland. Sie deutet weiterhin himmlische Zeichen für ihr Volk, beeinflusst aber die Politik zu Gunsten ihres Geliebten.

Dieser innere Kampf zwischen Politik und Privatleben ist die Triebfeder der Handlung. Norma erfährt davon, dass Pollione mit der jungen Novizin Adalgisa durchbrennen will. Ihre Handlungen in Wut und Hingabe stürzen ihr Volk und sie selber in den Abgrund.

Die Stärken der Luzerner Inszenierung

  • Die Gesangssolistin: Morenike Fadayomi nimmt die anspruchsvolle Rolle zupackend in Angriff. Wie sie die innere Zerrissenheit von Norma gesanglich zum Ausdruck bringt, ist faszinierend. Ihr gelingt eine beeindruckende Leistung – nicht zuletzt, wenn man bedenkt, dass sie kurzfristig einspringen musste für ein erkranktes Ensemble-Mitglied des Luzerner Theaters.
  • Starke Frauenstimmen: Auch Mezzosporanistin Marie-Luise Dressen besticht in der Rolle der Nebenbuhlerin. Zusammen harmonieren die beiden Frauenstimmen ideal auf der Bühne.
  • Das Bühnenbild: In der Oper geht es um den Kampf, eigene Gefühle haben zu dürfen in einer Gesellschaft, die für jeden genau definierte Rollen vorsieht. Diese lang ersehnte Freiheit wird mit Video-Animationen von Vögeln symbolisiert – starke Bilder.

Die Schwäche der Luzerner Inszenierung

  • Eine Frage der Oper, inwiefern Vorbilder von Mächtigen kreiert werden – als inszenierte Wunder – für die Manipulation der Masse, wird über die Produktion hinweg zu wenig konsequent verfolgt.

Weitere Aufführungen: bis am 10. Juni 2016.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr