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Zentralschweiz Der Kanton Schwyz will die Flat Rate Tax einführen

Der Kanton Schwyz braucht mehr Geld. Der Regierungsrat möchte deshalb auf 2017 das Steuersystem ändern und von der gängigen progressiven Einkommensbesteuerung zur Flat Rate Tax wechseln. Die Änderungen sollen jährlich zusätzlich bis zu 170 Millionen Franken einbringen.

Legende: Video Steuerparadies Schwyz braucht mehr Geld abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 09.11.2015.

Der Kanton Schwyz ist bekannt für seine tiefen Steuern. Deshalb ist er attraktiv für viele Wohlhabende. Gleichzeitig kämpft der Kanton aber gegen die roten Zahlen. Das Eigenkapital ist aufgebraucht, der laufende Aufwand muss über Schulden finanziert werden. Dies trotz Sparmassnahmen und einer Steuererhöhung auf das Jahr 2015.

Als Gründe für diese Entwicklung nennt der Regierungsrat die gestiegenen Kosten und die stark gewachsenen Beiträge in den Nationalen Finanzausgleich (NFA). Jetzt müsse rasch und nachhaltig gehandelt werden, sagte der Schwyzer Finanzdirektor Kaspar Michel am Montag vor den Medien.

Der Regierungsrat will, dass der Kanton sein Steuersubstrat besser ausnutzt, aber weiterhin mit tiefen Steuern glänzen kann. Der Steuerattraktivität sei wichtig, denn ein erheblicher Teil der Steuern komme von einer kleinen Bevölkerungsgruppe mit hohen Einkommen und mit grossen Vermögen.

Zwei Varianten gehen in die Vernehmlassung

Der Regierungsrat schlägt nun vor, grössere Vermögen höher zu besteuern: Ab 500'000 Franken soll der kantonale Steuersatz auf 1,2 Promille verdoppelt werden. Auch die Grundstückgewinnsteuer soll angepasst werden. Das würde laut Berechnungen jährlich rund elf Millionen Franken einbringen.

Ausserdem schlägt der Regierungsrat zwei Varianten vor, wie die Einkommenssteuer angepasst werden könnte:

Variante 1

  • Der Kantonstarif würde erhöht (zusätzliche Einnahmen total von 94 Millionen Franken). Stärker zur Kasse gebeten würden Personen mit einem steuerbaren Einkommen ab 47'000 Franken (Ehepaare: 89'300 Franken).
  • Der Maximalsteuersatz würde von 5,0 auf 5,8 Prozent erhöht und und ab Einkommen von 366'400 (696'400) Franken gelten.
  • Zusätzlich müssten sich die Gemeinden und Bezirke zu rund einem Drittel an der NFA-Last des Kantons beteiligen. Sie müssten 67 Millionen Franken übernehmen.
  • Der Staatshaushalt würde somit um 161 Millionen Franken besser dastehen.

Variante 2

  • Neu sollen die Einkommen wie bereits in Obwalden und Uri einer Flat Rate Tax unterstellt werden. Der Einheitstarif, der für alle Einkommen im Kanton, den Gemeinden und Bezirken gelten soll, würde bei 5,5 Prozent angesetzt.
  • Gleichzeitig würden tiefere Einkommen durch höhere Sozialabzüge entlastet. Die Abzüge sollen bei Alleinstehenden um 10'000 und bei Verheirateten um 20'000 Franken erhöhet werden.
  • Die Mehreinnahmen werden bei dieser Variante total auf 170 Millionen Franken beziffert.

Einfacher und flexibler

Einziger Nachteil der Flat Rate Tax ist gemäss Regierung, dass auch mittlere Einkommen stärker belastet würden. Trotzdem sei die proportionale Einkommensbesteuerung das System der Zukunft.

Es führe zu nachhaltigeren Einnahmen, vereinfache das Steuersystem und erhöhe den Handlungsspielraum, so der Regierungsrat. Zudem werde ein Arbeitsanreiz geschaffen, da zusätzliche Einkommen nicht stärker besteuert würden.

Weil die Flat Rate Tax auch in den Bezirken und Gemeinden gilt, wird sie auch dort zu Mehreinnahmen führen wird. Diese Gemeinwesen müssten deswegen ihre Steuerfüsse senken.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von martin reiser (martin reiser)
    Der Kanton Schwyz ist mit seiner Tiefsteuer-Strategie voll in den Hammer gelaufen und agiert jetzt wie ein angezählter Boxer - verwirrt und kopflos.
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  • Kommentar von gabi bossert (goba)
    Das ist doch ein ganz toller Systemwechsel. Offenbar macht er Eindruck. Auf alle Fälle wird der Mittelstandsbürger in der bürgerlichen Gewinn Denkstruktur den Kürzeren machen. Interessant aber ist, dass diese Überlegungen bald überall passieren werden und die Glücksdroge " Steuersenkung " natürlich nichts als Droge war, die in Kürze weggenommen wird. Das Volk wird schon auf Entzug gesetzt werden.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Unter dem Strich ist die Art der Besteuerung doch so etwas wie ein Nullsummenspiel. Höhere Steuern für die Gutverdienenden? Folge: Deren Gehälter werden von den Unternehmen erhöht. Also kann ein vernünfiges Ziel für die Besteuerung nur sein, die Staatskosten zu senken, den Aufwand für das Einziehen von Steuern. Und hier gibt es ja wohl kein besseres Modell als die "flat tax rate".
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    1. Antwort von Lutz Bernhardt (lb)
      Hab ich doch glatt vergessen zu erwähnen: Wenn Unternehmen an Manager höhere Gehälter bezahlen, dann mindert das den Unternehmensgewinn. Die Manager zahlen zwar mehr Steuern. Das Unternehmen aber unterm Strich entsprechend weniger. In der Mathematik nennt man so etwas ein Nullsummenspiel. In der Praxis könnte man es eine Lachnummer nennen. Oder so ähnlich.
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