«Die Luzerner Altstadt braucht nicht nur Renditeobjekte»

Der Luzerner Unternehmer Peter Vonarburg sieht die Attraktivität der Luzerner Altstadt gefährdet. Immer mehr Ladenlokale werden von Uhren- und Schmuckgeschäften belegt. Die Entwicklung sei kaum aufzuhalten. Dafür würden andere Quartiere wie die Neustadt attraktiver.

In der Luzerner Altstadt findet um Ladenlokale ein Verdrängungskampf statt. Während die Mieten für Ladenlokale stetig steigen, nimmt der Branchenmix ab. Margenschwache Geschäfte wie Lebensmittelläden haben in der Altstadt schon lange keinen Platz mehr. Dafür boomen Uhren- und Schmuckgeschäfte. Wird irgendwo ein Ladenlokal frei, zieht mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Unternehmen ein, das Uhren für zahlungskräftige Kunden, oft Touristen, anbietet.

Erst vor wenigen Wochen verliess das traditionsreiche Musikhaus Hug die Luzerner Altstadt Richtung Ebikon. Statt Musik-CDs, Noten und Instrumenten, werden am alten Standort am Kapellplatz künftig Luxusuhren angeboten. Sind in der Altstadt keine freien Ladenlokale verfügbar, bieten finanzstarke Uhrengeschäfte den Ladeninhabern oft hohe Summen für die Übernahme eines Mietvertrags.

Freier Markt entscheidet

Peter Vonarburg hat die Entwicklung mit dem eigenen Geschäft erlebt. Seit vielen Jahren betreibt der Unternehmer einen Laden für Nähutensilien und Bastelartikel, lange Zeit mitten in der Luzerner Altstadt. Das am Weinmarkt gelegene Ladenlokal musste vor wenigen Jahren aufgegeben werden, nachdem die Liegenschaftsbesitzerin einen höheren Mietzins verlangte, den sich Vonarburg nicht leisten konnte.

Heute ist ein Schmuckgeschäft in dem Haus eingemietet. Die Vonarburg voco AG verliess die Altstadt und zog an die Alpenstrasse in der Nähe des Löwenplatzes. Der Wechsel sei zwar nicht einfach gewesen, habe aber auch eine Chance dargestellt.

In Vonarburgs Brust schlagen allerdings zwei Herzen. Der Luzerner Unternehmer führt nicht nur ein eigenes Geschäft, mit dem er auf zahlbare Mietpreise angewiesen ist, er ist selber auch Liegenschaftsbesitzer in der Luzerner Altstadt.

Die Versuchung, ein Ladenlokal an den Meistbietenden zu vergeben, sei aus finanzieller Sicht natürlich verlockend, sagt Vonarburg im Gespräch mit dem Regionaljournal Zentralschweiz. Es brauche schon einen gewissen Idealismus, um zugunsten der Branchenvielfalt einem weniger finanzstarken Unternehmen den Vorzug zu geben.

«Andere Quartiere profitieren»

Vonarburg ist überzeugt, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten lässt, so lange die Uhren- und Schmuckbranche dermassen gut laufen. Zudem müsse man in Luzern auch akzeptieren, dass die Uhrengeschäfte für den Tourismus eine wichtige Rolle spielten.

Letztlich seien die Liegenschaften in der Luzerner Altstadt in Privatbesitz, weshalb der Markt darüber entscheide, wer einen Mietvertrag bekommt und wer nicht. Die Entwicklung habe aber auch Positives. Andere Quartiere profitierten davon, dass sich Geschäfte ansiedelten, die sich die Altstadt nicht leisten können.