Ein Teufelskreis von Druck und Verzweiflung

Vorläufig Aufgenommene erhalten im Kanton Luzern seit April massiv weniger Unterstützung. Der Druck soll sie motivieren, rasch eine Arbeit anzunehmen. Aber Arbeit zu finden, ist für sie schwierig. Wir besuchen Menschen, die mit dem absoluten Minimum leben und wenig Aussicht haben, dies zu ändern.

Eine Familie aus Afghanistan sitzt auf dem Sofa: Die Mutter mit Kopftuch, die Tocher in der Mitte.

Bildlegende: Hoffnung auf Sicherheit und eine Perspektive: Seit drei Jahren lebt die Familie Jafari in Sursee. Miriam Eisner / SRF

Früher erhielten vorläufig Aufgenommene Unterstützung in ähnlicher Höhe, wie sie die SKOS für andere Sozialhilfebezüger vorsieht. Seit April stehen ihnen für ihren Grundbedarf ein Drittel bis die Hälfte weniger zur Verfügung. Je nach Haushaltgrösse sind dies noch 259 bis 427 Franken pro Person und Monat - für eine vierköpfige Familie 1292 Franken.

Weil die Sozialausgaben steigen, will der Kanton Luzern so den Druck erhöhen, damit vorläufig Aufgenommene sich beruflich schneller integrieren. Doch die Realität zeigt, dass es für sie nicht einfach ist, eine Stelle zu finden.

Arbeit finden ist nicht einfach

Betroffen sind meist Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, die nicht als politische Flüchtlinge anerkannt sind. Sie dürfen in der Schweiz bleiben, weil ihre Rückschaffung unzumutbar oder unmöglich ist.

Nach einem Monat zeigt sich, dass der finanzielle Druck auf die betroffenen tatsächlich gross ist. «Es war vorher schon schwierig, jetzt ist es noch schwieriger geworden», sagt Zahra Jafari, eine 29-jährige Afghanin, die mit Mann und Tochter in Sursee lebt. Denn es sei leicht zu sagen, vorläufig Aufgenommene wie sie sollen arbeiten. Viele Arbeitgeber würden ihnen keine Stellen geben.

Nazar Tazik in ihrer Wohnung.

Bildlegende: Nazar Tazik aus dem Iran hat eine Ausbildung zur Spielgruppenleiterin begonnen. Miriam Eisner / SRF

Was etwas mehr Unterstützung ausmachen kann, zeigt das Beispiel von Nazar Tazik, die in Luzern lebt. Sie ist auch vorläufig aufgenommen, aber als Flüchtling anerkannt, darum ist sie von der Kürzung der Sozialhilfe nicht betroffen.

Sie nutzt jetzt ihre Chance, nimmt intensiv Deutschstunden und hat eine Ausbildung als Spielgruppenleiterin begonnen. Sie betont, wie wichtig Ausbildung für eine erfolgreiche Integration sei.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr