Eitelkeit gehört zur Politik

21 Jahre lang hat der CVP-Politiker Peter Bieri den Kanton Zug im Ständerat vertreten. Er gehörte zu den einflussreichen, aber eher stillen Politikern. Bieri hat in seiner langen Karriere bei vielen Vorlagen federführend mitgearbeitet. Das erfüllt den Zuger mit einem gewissen Stolz.

Mit Peter Bieri tritt der dienstälteste Bundesparlamentarier aus der Zentralschweiz ab. 21 Jahre lang sass der Zuger im Ständerat. Dort hat er sich einen Namen als einflussreicher, stiller Schaffer gemacht.

Dass er es am Ende seiner Karriere in verschiedenen Parlamentarier-Ratings auf die vordersten Plätze geschafft hat, erfülle ihn mit einer gewissen Zufriedenheit. «Es zeigt, dass man die Arbeit nicht ganz falsch gemacht hat und vor allem gehört wurde», sagt Bieri im Gespräch mit dem Regionaljournal Zentralschweiz.

Es entschädigt Bieri auch dafür, dass immer wieder andere Politiker die Lorbeeren für die Arbeit erhalten haben, die er geleistet hat. Es sei nicht seine Sache gewesen, in die Öffentlichkeit und die Medien zu drängen, sagt Bieri.

Trotzdem sei es natürlich nicht unangenehm, wenn man im Fernsehen oder in einer Zeitung positiv bewertet werde. Schliesslich wolle jeder Politiker wieder gewählt werden und sei auch etwas eitel, sagt Bieri.

Gewichtige Abgänge

Sieben von insgesamt 30 nationalen Politikern aus der Zentralschweiz treten am nächsten Sonntag nicht mehr an, wenn das neue eidgenössische Parlament gewählt wird. Fünf von ihnen sassen in den vergangenen vier Jahren im Stände-, zwei im Nationalrat.

Auf die kürzeste nationale Politkarriere blickt der Urner Ständerat Markus Stadler zurück. Er hat insgesamt fünf Jahre für die Grünliberale Partei in Bern gewirkt. Am meisten Sitzleder hatten der Zuger CVP-Ständerat Peter Bieri und der Luzerner FDP-Ständerat Georges Theiler. Sie blicken auf 21 beziehungsweise 20 Jahre im Bundeshaus zurück. Theiler sass bis vor vier Jahren im Nationalrat und wechselte dann in die kleine Kammer, Bieri hat immer im Stöckli politisiert.

Was bedeutet Macht?

Wer ein politisches Mandat bekleidet, hat Macht und nimmt Einfluss. Auf Mandatsträger wird aber auch Druck ausgeübt, Lobbyisten versuchen, sie zu beeinflussen. Manche Politiker wirken lieber im Hintergrund, andere politisieren, um ihren Wählern zu gefallen.

Zum Abschluss ihrer politischen Karriere hat das Regionaljournal Zentralschweiz noch einmal mit allen abtretenden Parlamentariern aus der Zentralschweiz gesprochen. In den Gesprächen ging es um Macht, Einflussnahmen, die politische Veränderung, aber auch um die Frage, was nach einer langen, politischen Karriere bleibt, welche Spuren hinterlassen werden.

Sie verabschieden sich aus Bern

    • Gespräch mit Paul Niederberger und Markus Stadler

      Zwei leise Politiker treten ab

      Sie gehörten nicht zu den Lauten im Politbetrieb: Der Nidwaldner CVP-Ständerat Paul Niederberger und der Urner Grünliberale Markus Stadler. Nach acht beziehungsweise fünf Jahren im Stöckli treten sie von der politischen Bühne ab. Laut Niederberger verflog die Zeit in Bern wie im Flug. Der ehemalige Finanzdirektor des Kantons Nidwalden arbeitete in einigen gewichtigen Kommissionen mit und war etwa bei der Rettung der UBS aber auch bei der Aufarbeitung des Informatikdebakels «Insieme» dabei. Auch Markus Stadler war vor seiner Zeit im Ständerat Finanzdirektor. Der Urner genoss im Bundeshaus, dass er seine Meinung nicht immer sofort äussern musste und bezeichnet das Mitgestalten als Höhepunkt der Arbeit als Politiker.

      4:16 min

    • Gespräch mit Geoges Theiler

      Lobbyisten sind laut Georges Theiler besser als ihr Ruf

      Wer auf nationaler Ebene Politik mache, ist auf Informationen angewiesen, sagt der scheidende Luzerner FDP-Ständerat Georges Theiler. Diese Informationen können über Interessenvertreter, so genannte Lobbyisten, beschafft werden. Wichtig sei dabei, dass man sich nicht einseitig informiere. Das sei ihm während seiner 20 Jahre dauernden Karriere im Bundeshaus immer wichtig gewesen. Theiler sass zunächst 16 Jahre lang im Nationalrat, die letzten vier Jahre politisierte er im Ständerat.

      6:19 min

    • Gespräch mit Hans Hess

      Laut Hans Hess hat sich das Politisieren im Ständerat verändert

      17 Jahre sass der Obwaldner Hans Hess für die FDP im Ständerat. Das Politisieren habe sich während dieser Zeit in der kleinen Kammer stark verändert. Grund dafür sei, dass heute mehr Parteien im Stöckli vertreten seien, was es schwieriger mache, einen Konsens zu finden. Dagegen sei der Einstieg in die Bundespolitik immer noch gleich. Wer aus der kantonalen Politik nach Bern komme, finde den Einstieg schnell, Quereinsteiger bräuchten etwas länger.

      4:15 min

    • Gespräch mit Ruedi Lustenberger

      Ruedi Lustenberger ist stolz auf das Politsystem der Schweiz

      Das Milizsystem ist in den Augen des Luzerner CVP-Nationalrats Ruedi Lustenberger das einzig richtige System für die Schweizer Politik. Es sei sehr wichtig, dass Politiker in einer Region und einem Beruf verankert seien. Er selber hätte sich nicht vorstellen können, Berufspolitiker zu sein. Allerdings, während seiner Zeit als Präsident des Nationalrats blieb auch Lustenberger keine Zeit für andere Tätigkeiten. Lustenberger sass während 16 Jahren für die CVP des Kantons Luzern im Nationalrat. Er tritt am nächsten Sonntag nicht mehr zur Wahl an.

      6:03 min

    • Gespräch mit Gabi Huber (11.10.2015)

      Macht ist für Gabi Huber ein Prozess

      «Macht ist ein grosses Wort», sagt Gabi Huber. Sie habe aber Einfluss auf die politische Mitgestaltung. Nach zwölf Jahren im Nationalrat und weit über 20 Jahren in der Politik beendet die Urnerin ihre politische Karriere. Sie galt als eine der mächtigsten und einflussreichsten Politikerinnen der Schweiz.

      7:14 min

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr