«Es wäre eine Rückkehr ins Zeitalter vor den Antibiotika»

In Kastanienbaum arbeiten Forscher an einem für die Gesundheit sehr wichtigen Thema: Nämlich antibiotika-resistente Bakterien, die ins Abwasser gelangen. Diese konnten bei den Kläranlagen bis jetzt nicht heraus gefiltert werden und gelangten zurück in die Umwelt. Jetzt gibt es eine Lösung.

Helmut Bürgmann in seinem Labor in Kastanienbaum.

Bildlegende: In diesem Labor haben Helmut Bürgmann und sein Team Lösungen gefunden, wie man Bakterien aus dem Abwasser filtern kann. SRF/Sämi Studer

Krankheitserreger, gegen die Antibiotika nichts mehr nützen, sind ein grosses Problem. Dass solche Keime aus den Kläranlagen in die Umwelt gelangen, konnte jetzt vom Eawag in Kastanienbaum nachgewiesen werden.

Das Eawag ist das Wasserforschungsinstitut der ETH mit einem Standort im Kanton Luzern. Es sei sehr wichtig, dass man beim Thema der Antibiotika-Resistenz Lösungen finde, sagt Helmut Bürgmann, der Leiter der entsprechenden Forschungsgruppe in Kastanienbaum: «Wenn wir nichts machen, sind wir innert Jahrzehnten unsere wichtigste Waffe gegen Infektionskrankheiten los.» Das wäre fatal, betont Bürgmann und eine Rückkehr ins Zeitalter vor den Antibiotika.

«  Bei der Bewässerung kommen die Bakterien aufs Gemüse oder wir nehmen sie übers Trinkwasser auf. »

Helmut Bürgmann
Forschungsgruppenleiter Eawag Kastanienbaum

Im Labor in Kastanienbaum hat Bürgmann mit seinem Forschungsteam versucht herauszufinden, wie die Stoffe ins Wasser gelangen, wie sie sich verhalten und wie man sie aus dem Abwasser filtern kann. Denn das ging bisher nicht. Hier hat man jetzt eine Lösung gefunden: «Es gibt die Möglichkeit, dass man das Abwasser zusätzlich desinfiziert, also durch zusätzliche Reinigungsschritte Bakterien entfernt», erklärt Bürgmann.

«Nicht nur medizinisches, sondern auch Umweltproblem»

Reagieren müssen also die Kläranlagen-Betreiber. Für ihren Verband der Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA sind die Forschungsergebnisse wichtig. Darum sind sie auch zentrales Thema an der Mitgliederversammlung des VSA am Freitag im Verkehrshaus Luzern. VSA-Präsident ist Heinz Habegger: «Man sieht hier klar, dass die Antibiotika-Resistenzen nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein Umweltproblem sind.» Entsprechend versuche man darauf zu reagieren. In der ganzen Schweiz würden in den nächsten Jahren sowieso rund 1,2 Milliarden Franken investiert, um Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu bringen.

Dies schreibt so das neue Gewässerschutzgesetz des Bundes vor. «Die Vorgabe des Bundes ist es, mindestens 50 Prozent der Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu bringen», sagt Habegger. Auch wenn die Kläranlagen also aufrüsten, alle antibiotika-resistenten Bakterien bringt man auch künftig nicht aus dem Abwasser.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr.