Faszinierende Unterwelt: das Hölloch

Eindrucksvolle Tropfsteine, unterirdische Seen, grosse Hallen und enge Durchschlüpfe: die Karsthöhle Hölloch im Muotatal, Kanton Schwyz, fesselt Forscher und Besucher seit vielen Jahren. Vor dem vielschichtigen Höhlenplan kommt man sich plötzlich ganz klein vor.

Das Hölloch ist zurzeit das zweitlängste Höhlensystem in Europa und eines der längsten weltweit. 200 Kilometer wurden bereits entdeckt, jährlich stossen Höhlenforscher ein paar hundert Meter weiter vor. Ein grosses Ziel ist es, die Verbindung zwischen dem Hölloch und dem knapp 38 Kilometer langen Silberen-System zu entdecken. Dass die zwei Höhlensysteme miteinander verbunden sein müssen, haben Luft- und Wassermessungen ergeben.

Die Höhendifferenz im Hölloch beträgt etwas mehr als 900 Meter. Im Innern der Höhle herrscht eine konstante Temperatur von 6°C und nahezu 100% Luftfeuchtigkeit. Der unterirdische Bach schwillt nach starken Niederschlägen oder der Schneeschmelze stark an und überschwemmt ansonsten trockene Stellen. Einige Gänge liegen unter dem Grundwasserspiegel und stehen konstant unter Wasser.

Höhlenflohkrebse und Höhlenwürmer

Bei den Expeditionen durch das Hölloch stossen Besucher und Forscher auf spannende Erosionsformen, hohe Räume, enge Durchschlüpfe und imposante Hallen. Im hinteren Teil der Höhle verstecken sich viele der faszinierendsten Tropfsteingebilde, die über tausende von Jahren durch das Wasser geschaffen wurden.

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Nik Hartmann im Hölloch

6:06 min, aus SRF bi de Lüt vom 22.5.2009

Unterschiedlichste Lebewesen finden in der Höhle im Muotatal Unterschlupf. Die weissen, maximal drei Zentimeter langen Höhlenflohkrebse (Niphargus) sind in vielen unterirdischen Seen zu Hause. Höhlenwürmer (Octodrilus transpadanus) können – im Unterschied zum bekannten Regenwurm – auch Wochenlang unter Wasser leben. Ausserdem statten Insekten wie zum Beispiel Käfer und Mücken aber auch Fledermäuse dem Hölloch Besuche ab. 2011 wurde eine neue Art des Pseudoskorpions entdeckt, der sogenannte Pseudoblothrus infernus. Das nur gerade zwei Millimeter lange Tierchen mit zwei Greifzangen versteckt sich in den Gesteinsritzen und wurde bis jetzt nirgendwo sonst auf der Welt gesichtet.