Freunde rekrutieren Freunde: Die Jobvermittlung im Wandel

Immer mehr Unternehmen setzen bei der Mitarbeitersuche auf ihre Angestellten. Diese werden aufgefordert, Freunde oder Bekannte, die für die offene Stelle passen, zu melden. Dafür werden sie mit einer Prämie von mehreren tausend Franken belohnt.

Zeitungen mit Stellenausschreibungen.

Bildlegende: Auch Zentralschweizer Firmen setzen bei der Suche nach Fachkräften immer mehr auf sogenanntes «Social Headhunting». SRF

In vielen Branchen ist es schwierig, genügend Fachkräfte zu finden. Bei der Suche nach geeignetem Personal setzen verschiedene Zentralschweizer Unternehmen auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Firmenintern wird mitgeteilt, dass eine Stelle zu besetzen ist. Gewünscht ist nun, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen einen Bekannten oder Freund vermitteln, der oder die für die Stelle geeignet ist. Wird diese Person angestellt, erhält der «Vermittler» eine Prämie von bis zu 3000 Franken. «Social Headhunting» nennt sich dieses System - oder etwas einfacher «Mund-zu-Mund-Propaganda».

50 Prozent der Stellen über interne Vermittlung vergeben

Auf dieses System setzt seit 2007 beispielsweise der Liftbauer Schindler. Für eine geglückte Vermittlung bezahlt das Unternehmen aus Ebikon einen Bonus von 2000 Franken. So werden inzwischen rund die Hälfte aller Stellen durch Mitarbeiter vermittelt. Ebenfalls auf dieses Modell setzt Siemens: Rund 10 Prozent der neuen Mitarbeiter kommen so in das Zuger Unternehmen. Hier bezahlt man als «Vermittlungsgebühr» je nach Job 1000 bis 3000 Franken. Bewusst auf ein solches Prämiensystem verzichtet hingegen das Luzerner Kantonsspital. Das Verfahren sei zu kompliziert und es sei schwierig zu überprüfen, damit es auch fair sei, heisst es auf Nachfrage von Radio SRF.

System erfolgreich seit zehn Jahren beim Flugzeugbauer

Grosse Stücke auf das System mit der Vermittlung von Freunden hält Kurt Bucher, HR-Verantwortlicher bei den Pilatus Flugzeugwerken in Stans: «Wir suchen die Richtigen, jene Mitarbeiter, die in unsere Firmenkultur passen.» Und das sei dank der Vermittlung garantiert. «Ein Mitarbeiter würde niemanden ins Unternehmen bringen, für den oder die er sich schämen müsste», sagt Bucher. Rund ein Viertel aller Neuanstellungen kommen beim Nidwaldner Flugzeugbauer durch Empfehlungen zum Unternehmen, dafür zahlt man 1000 Franken. Speziell bei Pilatus ist, dass dieses Geld in Tranchen ausbezahlt wird: Nach drei Monaten, der Probezeit, werden 400 Franken ausbezahlt. Hat der neue Angestellte sein erstes Jahr bei der Firma gearbeitet, werden die restlichen 600 Franken an seinen «Freund» bezahlt.

Verantwortung gegenüber der Firma

Einen neuen Mitarbeiter empfohlen hat im letzten Jahr Erwin von Euw. Er freut sich, dass es geklappt hat: «Ich hätte schon mehrmals Mitarbeiter vermitteln können, hier war ich aber überzeugt, dass er passt», sagt von Euw. Man habe gegenüber der Firma schliesslich eine gewisse Verantwortung, weshalb er sich auch künftige Empfehlungen gut überlege. 2014 wurden 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu bei den Pilatus Flugzeugwerken eingestellt. Dafür erhielt man rund 7000 Bewerbungen. Auch wenn man also genügend Auswahl für neues Personal habe, führe man das System mit den Prämien auch künftig weiter, erklärt Personalchef Kurt Bucher.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr