«Ich plädiere für mehr psychiatrische Gutachten zu Tätern»

Andreas Frei ist der Mann, der das psychiatrische Gutachten zur Bluttat von Menznau verfasst hat. Frei ist leitender Arzt bei der Luzerner Psychiatrie. Im Interview spricht er über seine Arbeit und darüber, welchen Stellenwert ein Gutachten zu einem toten Täter hat.

«Dank einem solchen Bericht können Angehörige, Beteiligte und andere Betroffene die schreckliche Tat besser einordnen», sagt Psychiater Andreas Frei. Ausserdem würden solche Gutachten wertvolle Hinweise für die Prävention geben. Für seinen psychiatrischen Bericht zum Täter von Menznau hat Frei die rund 40 Protokolle der Einvernahmen gesichtet und ausgewertet. Ausserdem führte er mit einzelnen Involvierten zusätzliche Gespräche.

Wenig Hintergrundwissen

Andreas Frei bedauert es, dass in solchen Fällen oftmals auf ein psychiatrisches Gutachten zum Täter verzichtet wird. «Bisher gab es meines Wissens in der Region erst zweimal ein Gutachten über einen toten Täter. Eines betraf den Verantwortlichen für das Attentat auf das Zuger Kantonsparlament Ende September 2001. Das andere habe ich kurz darauf selbst verfasst, zu einem Fall in Luzern.»

Menschen mit Verfolgungswahn seien nicht per se gefährlich, stellt Psychiater Andreas Frei klar. «Allerdings zeigen Untersuchungen, dass erkrankte Personen eher zu Gewalttaten neigen, wenn die Krankheit frisch ausgebrochen und noch unbehandelt ist.»

(Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr)