«Ich wünsche mir schon noch ein paar ruhige Jahre»

Der 76-jährige Karl Cathry ist seit 1970 Gemeindeschreiber von Realp. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem mit 12 Gemeindepräsidenten zusammen. Weil sich niemand für das Amt interessiert, hängt Cathry jetzt noch zwei Jahre an.

Ein Mann am Pult mit der Hand an der Computermaus.

Bildlegende: Karl Cathry in seinem Büro im Gemeindehaus. srf

Blick über Realp und das Urserental.

Bildlegende: Realp liegt zuhinterst im Urserental (hier mit Blick gegen Andermatt). srf

Karl Cathry war bereits Mitglied des Gemeinderates, als 1970 die Stelle des Gemeindeschreibers frei wurde: «Ich interessierte mich schon immer für Rechnungswesen und Protokollführung, deshalb bewarb ich mich.»

Rechtswesen als Steckenpferd

Er bekam die Stelle - und ist nunmehr seit 44 Jahren im Amt. Angefangen hat er - mangels eigenem Büro - daheim. Er war nicht nur nebenamtlicher Gemeindeschreiber, sondern auch Zivilstands- und Betreibungsbeamter und führte die Einwohnerkontrolle.

Vor allem das Rechtswesen hat Karl Cathry stets fasziniert. Noch heute brauche die Gemeinde keinen Anwalt. Man mache alles Juristische selber - und zwar mit Erfolg: «Wir kamen auch schon vor Bundesgericht durch.»

Eigentlich würde Karl Cathry gerne aufhören: «Ich wünsche mir schon noch ein paar ruhige Jahre ohne Arbeit.» Nur findet die Gemeinde mit ihren 150 Einwohnerinnen und Einwohnern keine Nachfolgerin oder Nachfolger: «Deshalb habe ich nochmals für zwei Jahre zugesagt - solange ich Spass an der Arbeit habe, mache ich das gerne.»

Weltoffene Realper

In Realp fühlt er sich wohl - nicht nur in der Musikgesellschaft, die er mitgegründet hatte und in der er immer noch aktiv ist. «Die Menschen hier sind Neuem gegenüber sehr offen, das gefällt mir.»

Diese Aufgeschlossenheit zeigt sich immer wieder bei Abstimmungen, in denen Realp wie die Grossstädte abstimmt. Beispiele sind etwa das Frauenstimmrecht, die EWR-Abstimmung 1992 oder jüngst bei der Masseneinwanderungsinitiative.

Woher diese Offenheit kommt, vermag auch Karl Cathry nicht genau zu sagen. Realp sei im Winter wegen drohender Lawinen immer wieder von der Umwelt abgeschnitten und auf Hilfe von aussen angewiesen: «Vielleicht ist man hier deshalb etwas offener eingestellt, weil man auch etwas zurückgeben will.»

(Regionaljournal Zentralschweiz, 17.30 Uhr)