Kritik am Verwaltungsratsmandat von Verena Briner

Verena Briner arbeitet als Chefärztin Innere Medizin im Luzerner Kantonsspital. Die Wahl der 62-Jährigen in den Verwaltungsrat von Novartis sorgt in Luzern nicht nur für Begeisterung.

Blick in die Generalversammlung in der St. Jakobs-Halle in Basel.

Bildlegende: Die Wahl von Verena Briner war an der Generalversammlung der Novartis unbestritten. Keystone

Verena Briner ist neben ihrem Job im Luzerner Kantonsspital auch Professorin für Innere Medizin an der Universität  Basel. Zudem ist sie im Vorstand der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

Gesundheitsdirektor freut sich

Politikerinnen und Politiker in Luzern nehmen die Wahl unterschiedlich auf. Der Luzerner Regierungsrat Guido Graf freut sich über Briners Ernennung. Er kenne sie persönlich: «Ich schätze Verena Briner als loyale und integre Persönlichkeit. Sie wird kein Problem damit haben, ihre Tätigkeit als Chefärztin und ihren Sitz im Verwaltungsrat unter einen Hut zu bringen.»

Ähnlich klingt es bei der Präsidentin der Gesundheitskommission des Luzerner Kantonsrates, Romy Odoni (FDP): «Für uns Luzerner und Luzernerinnen und für das Kantonsspital ist es sicher von Nutzen, eine Person in einem solchen Gremium zu haben», sagt sie gegenüber dem Regionaljournal.

Andere arbeiten sehr viel für einen solchen Lohn

Es gibt aber auch kritische Stimmen: SP Fraktionspräsidentin im Kantonsrat, Silvana Beeler, setzt ein Fragezeichen bezüglich des Honorars von 350'000 Franken, welches Verena Briner für ihr neues Amt jährlich erhält: «Dies ist ein Monatslohn von mehr als 29'000 Franken. Andere müssen sehr viel arbeiten, um so viel Geld zu verdienen, und Frau Briner hat nur neun Sitzungen im Jahr.» In den kommenden beiden Jahren fliesst das Verwaltungsrats-Salär zu einem grossen Teil an das Luzerner Kantonsspital. Danach wird Verena Briner pensioniert sein und den Betrag selber behalten.

Weniger das Geld und mehr der Interessenskonflikt steht bei SVP-Kantonsrat Räto Camenisch (pensionierter Arzt) im Zentrum. «Auch wenn sie nicht mehr in derjenigen Spital-Kommission sitzt, welche die Medikamentenauswahl für das Luzerner Kantonsspital bestimmt, ist Verena Briner befangen. Schliesslich könnte die Novartis sämtliche Medikamente für das Spital liefern, solch ein grosses Unternehmen ist das!»

Die Wahl Briners in den Novartis-Verwaltungsrat an der Generalversammlung war deutlich: Sie wurde mit knapp 99% aller Aktionärs-Stimmen gewählt.