Zum Inhalt springen
Inhalt

Lieber leere Häuser nutzen Widerstand in Göschenen gegen Containersiedlung für Arbeiter

Während des Baus der Gotthard-Röhre leben 170 Arbeiter in Göschenen – über deren Unterkunft ist ein Streit entbrannt.

Legende: Video Widerstand gegen Containerpläne abspielen. Laufzeit 05:26 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 30.01.2018.

Rund sieben Jahre – so lange dauert der Bau des zweiten Gotthardtunnels. Sieben Jahre, während denen 170 Arbeiter in Göschenen im Kanton Uri leben und arbeiten werden. Das ist für Göschenen eine grosse Sache: Das Dorf ist von einer grossen Abwanderung betroffen und zählt heute noch 450 Einwohner. Viele Häuser stehen leer und sind baufällig.

Haus in Göschenen
Legende: Heute sind es vier Einwohner pro Quadratkilometer. Göschenen dürfte bald etwas belebter werden. Keystone

«Eine verpasste Chance»

Das Bundesamt für Strassen Astra plant, die Arbeiter in einer neu errichteten Containersiedlung am Dorfrand von Göschenen in Einzelzimmer unterzubringen. Und auch die Kantine käme in unmittelbarer Nähe zu den Unterkünften.

«Eine verpasste Chance», kritisiert nun der Historiker Kilian Elsasser, der in Göschenen ein Haus besitzt. Es gäbe im Dorf viele leere Häuser, in denen die Arbeiter untergebracht werden könnten. «Das gibt den Hausbesitzern den Anreiz, die Gebäude zu sanieren.»

Die Variante des Bundes sieht er als nicht nachhaltig an: «Nach sieben Jahren sind die Arbeiter wieder weg und das Dorf hat nichts davon.» Als Kantine würde sich gemäss Gotthard-Kenner Elsasser das historische Bahnhofbuffet eignen. Dieses ist seit einigen Jahren geschlossen.

«Nicht Aufgabe des Bundes»

Für Projektleiterin Valentina Kumpusch vom Bundesamt für Strassen (Astra) kann es allerdings nicht Aufgabe des Bundes sein, mit Steuergeldern ein Dorf zu sanieren. «Wenn es darum geht, alte Häuser zu sanieren wissen wir alle, dass das sehr teuer ist.» Zudem sei es nicht ideal, wenn die Arbeiter im ganzen Dorf verteilt seien. Im historischen Buffet sei aber ein Infocenter für Besucher geplant.

Gemäss Historiker Elsasser ist Göschenen historisch eine Perle: «Das Dorf hat europäische Bedeutung – nirgendwo sonst kann man die Entwicklung des Verkehrs vom Säumerpfad über die Eisenbahn bis zur Autobahn so eindrücklich sehen wie in Göschenen.» Dies sei sich der Bund zu wenig bewusst. Offiziell aufgelegt wird das Projekt im Frühling. Dann besteht auch die Möglichkeit für Einsprachen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von T. H. Isaak (cuibono)
    Ein kluger Vorschlag des Historikers Elsasser. Aber Nachhaltigkeit und Symbolik sind keine Argumente für Astra-Technokraten und Baubonzen. Für die zählen nur Rationalisierung, resp. Gewinn.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B Näf (uluru)
    Frage an Frau Kampusch: sind Ihre Arbeiter zu Gast in Göschenen oder ist die Astra eher ein Landvogt? Mit gegenseitigem Engagement lässt sich garantiert eine Win-Win Situation (Trump würde das einen Deal nennen) schaffen. Auf Landvögte war Uri noch nie gut zu sprechen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Also ich weis nicht wie es tönen würde, wenn sich "einige Hausbesitzer auf Kosten der Steuerzahler" ihre Gebäude oder Hotels sanieren lassen würden. Das wäre dann vermutlich auch wieder einen Skandal... Und Göschenen ist weiss Gott nicht so riesig, das keine Arbeiter zwischendurch den Weg in ein lokales Restaurant finden würde. Hoteliers bringt euch aber mit Cateringservice in Stellung!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen