«Manchmal ist Jazz tatsächlich ein Gedudel»

Zum 42. Mal bietet das Jazz Festival Willisau Einblick in die Szene der zeitgenössischen improvisierten Musik. Am Mittwochabend eröffnet Jazz-Trompeter Peter Schärli aus Schötz (LU) das Festival. Ihm ist wichtig, dass seine Musik verständlich wirkt.

Erneut wird Willisau fünf Tage lang zum Jazz-Hauptort der Schweiz. Die 42. Ausgabe dauert vom 31. August bis zum 4. September. Los geht es in Willisau am Mittwochabend bereits um 18 Uhr: Auf der Zeltbühne spielt «LSD-3». Zwei Stunden später dann folgt der eigentliche Auftakt, drinnen in der Festhalle: Peter Schärli steht mit seinem Trio und dem Posaunisten Glenn Ferris auf der Hauptbühne.

Band-Leader Schärli wurde 1955 im benachbarten Schötz geboren und in Willisau sozusagen musikalisch sozialisiert und geprägt. Als 1975 das erste Festival stattfand, war er 20 Jahre alt. Parallel zu «Jazz in Willisau» entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Trompeter der Schweiz.

Im Gespräch mit Radio SRF sagt Schärli heute: «Ich merkte damals, dass die Musiker, die am Jazz Festival Willisau spielten, sehr offene Menschen sind und anders durch die Welt gehen als die Leute im Luzerner Hinterland. Am Ende haben mich diese Menschen mehr beeinflusst als die Jazz-Musik an sich.»

«  Uns ist das zwischen den Noten geradeso wichtig wie die Noten selber. »

Peter Troxler
Jazz-Trompeter aus Schötz

Jazz muss sich oftmals die Kritik gefallen lassen, die Musik sei unverständlich, ja undurchsichtig. Trompeter Peter Schärli sagt dazu lachend: «Jazz ist manchmal tatsächlich ein Gedudel.» Dem versuche er entgegenzuwirken. «Ich und meine Mitmusiker spielen nicht so viele Töne, wie vielleicht andere. Uns ist das zwischen den Noten geradeso wichtig wie die Noten selber. Dadurch ist unserer Musik vielleicht etwas verständlicher.»

Vier Jazz-Musiker posieren auf einer Bühne.

Bildlegende: Das Peter Schärli Trio featuring Glenn Ferris. Priska Ketterer

Hundert Musiker in Willisau

Eine Entdeckung verspricht das Festival mit dem Trio «En-Corps» der französischen Pianistin Eve Risser. Am gleichen Abend (Donnerstag) ist auch die grösste Formation in diesem Jahr zu hören: das deutsch/schweizerische Bottom Orchestra von Kaspar von Grüningen, das sich zwischen Jazz, Improvisation und Neuer Musik bewegt. Abgeschlossen wird das Festival am Sonntag mit dem Trio «Beauty & Truth» des 72-jährigen deutschen Pianisten Joachim Kühn.

Insgesamt rund hundert Musiker holt Festival-Leiter Arno Troxler in diesem Jahr nach Willisau. Das Hauptprogramm wird klar von amerikanischen Musikern dominiert. Kompensiert wird diese Dominanz bei den elf Konzerten der Reihen Intimities, Late Spot sowie den Zeltkonzerten, wo die Schweizer Musiker deutlich in der Überzahl sind.