«Mich fasziniert, dass Telemark nicht jeder kann»

An der Telemark-WM in La Plagne (F) war die Schweiz mit acht Medaillen die erfolgreichste Nation. Zwei Mal Gold holte Stefan Matter aus Engelberg.

Telemark-Doppelweltmeister Stefan Matter auf Besuch im Studio Luzern

Bildlegende: Telemark-Doppelweltmeister Stefan Matter auf Besuch im Studio Luzern vdg

Telemark tönt nach gemütlichen Nostalgieabfahrten auf Holz-Latten, hat aber wenig mit den heutigen Wettkämpfen des Telemark-Nationalkaders zu tun. «Wir sind Leistungssportler», sagt Stefan Matter, der mit Top-Material und im offiziellen Renndress von Swiss-Ski unterwegs ist. Geblieben ist aber die knifflige Technik, bei welcher der Skischuh an der Bindung nur vorne fixiert ist. Entsprechend geht der Telemark-Fahrer in jeder Kurve in die Knie. Ein Balanceakt, der die Sportart umso schwieriger und exklusiver macht. Nur gute Skifahrer wagen sich an diese Spezialdisziplin.

Am Anfang war das Skilehrer-Patent

Als Stefan Matter vor zehn Jahren seine Ausbildung zum Skilehrer machte, gehörte zum Prüfungsprogramm neben den Alpinski ein weiteres Sportgerät. «Snowboard kam nicht in Frage, also blieb Telemark.» Aus dem Nebenfach wurde bald das Hauptfach. «Telemark ist ein Sport, den nicht jeder kann. Das fasziniert mich.»

Seit einer Woche ist er Doppelweltmeister. In La Plagne (F) holte er zuerst Gold im Team-Event und danach in der Königsdisziplin Classic. «Es ist mir alles aufgegangen», freut sich Matter. «Ich konnte gewinnen, weil ich sauber fuhr und darum keine Strafsekunden kassierte.» Zur Disziplin Classic gehören Elemente aus dem Riesenslalom, ein Sprung (an der WM waren es 24 Meter), eine 360°-Steilwandkurve sowie zwei Skating-Passagen. «Wir benutzen die gleichen Stöcke wie die Langläufer, um besser vorwärts zu kommen.»

Profis gibt es im Telemark keine. Stefan Matter (30) arbeitet zu einem Pensum von 80 Prozent in einem Sportfachgeschäft in Engelberg. Trotzdem bleibt die Motivation beim Engelberger gross. Bereits hat er neue Ziele im Visier: «Ich möchte den Gesamtweltcup oder den Disziplinenweltcup holen. Dafür brauche ich einen perfekten Winter im nächsten Jahr.»