Orpheus 2.0 im Strudel des Kunstmarktes

Die Geschichte von Orpheus und Euridike ist ein weltbekannter Mythos aus der Antike. Das UG des Luzerner Theaters zeigt nun eine ganz neue Version des Orpheus-Mythos. Die Produktion nennt sich «Orpheus. Factory» und ist eine Abrechnung mit dem Kunstmarkt.

Szene aus dem Luzerner Theater.

Bildlegende: Orpheus (Hans-Caspar Gattiker) und Euridike (Lilli Lorenz) als Künstlerpaar. Luzerner Theater/Ingo Höhn

Orpheus ist der beste Sänger und Dichter von allen. Mit seiner Kunst begeistert er alle: Götter himmeln ihn an, Menschen und Tiere sind hin und weg, ja sogar Felsen weinen, weil er so schön singt. Die Geschichte von Orpheus, der seine Geliebte aus dem Totenreich zurückholen will, gehört zu den bekanntesten Mythen.

Mit dem Orpheus aus der Antike hat der Künstler auf der UG-Bühne des Luzerner Theaters wenig zu tun. Er kaut uninspiriert auf einem Bleistift. Dabei müsste er liefern. Sein Kurator sitzt ihm im Nacken und erwartet den neusten Knüller, den er auf den Kunstmarkt schmeissen kann.

Die Produktion von Jacob Suske ist eine Art Parodie auf den Kunstmarkt. Künstlerinnen und Künstler und Kuratoren sind auf der Suche nach dem neusten Hype, der sich teuer verkaufen lässt. Was diese Maschinerie mit dem einzelnen Künstler und seinem Umfeld macht, diese Frage steht im Zentrum der Kammeroper.

Die Kammeroper schafft mit der sorgfältig auf die Worte abgestimmten Musik eine Atmosphäre, die einen besonderen Sog entwickelt. Zwar muss sich die Inszenierung an ein paar Stellen den Vorwurf der Effekthascherei gefallen lassen. Aber letztlich ist dies auch ein Tritt ans Schienbein des Kunstbetriebs.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr