«Pnima»: Eine Reise in das Innere von Trauma und Verdrängung

Das Luzerner Theater startet mit einer besonderen Oper in die neue Saison. In Chaya Czernowins «Pnima ... ins Innere» gibt es keine Handlung, keinen Text und keinen Gesang. Die Schweizer Erstaufführung am Luzerner Theater besticht mit beklemmender und düsterer Atmosphäre.

Luzerner Theater

Bildlegende: «Pnima» führt das Publikum in das Innere von Trauma und Verdrängung. Luzerner Theater/Tanja Dorendorf

Die Produktion entstand in Zusammenarbeit mit dem Lucerne Festival, wo die israelische Komponistin Chaya Czernowin in diesem Sommer als «composer in residence» wirkt. Als Grundlage dient der Roman «Stichwort: Liebe» von David Grossman. Im Roman lebt ein jüdischer Junge mit Erwachsenen zusammen, die durch die Judenverfolgung traumatisiert worden sind. Über die Vergangenheit reden sie jedoch nicht, man will das Kind schützen und schweigt.

Gerade diese Sprachlosigkeit zieht Chaya Czernowin in ihrer Kammeroper konsequent durch. Text gibt es keinen, die vier Gesangssolistinnen und Solisten singen nicht, sondern murmeln, schreien und wimmern.

Zusammen mit den sechs Soloinstrumenten, einem Streichorchester und den elektronischen Geräuschen, die in den Zuschauerraum eingespielt werden, gelingt der Luzerner Produktion eine absolut beklemmende und aufwühlende Atmosphäre.

Die Oper wirft die Frage auf, wie man reagiert, wenn man mit Ängsten und Tabus konfrontiert wird, die den Weg vom Innern ins Bewusstsein finden. Dies funktioniert in Luzern auf beeindruckende Art und Weise. Weitere Aufführungen von «Pnima ... ins Innere» gibt es am Luzerner Theater noch bis am 8. September.