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Praktika für Flüchtlinge «Es ist eine schwierige Aufgabe und für uns ein Lernprozess»

Luzerns Gewerbeverbandspräsident Gaudenz Zemp zur Schwierigkeit, in Firmen Praktikumsplätze für Flüchtlinge zu finden.

Legende: Audio Gaudenz Zemp: «Eine komplexe Aufgabe und noch keine Lösung»» abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
11 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 21.01.2018.

Der Kanton Luzern sucht dringend Praktikumsplätze für junge Flüchtlinge, damit diese den Sprung in die Arbeitswelt schaffen. Mit einer Kampagne werben Kanton, Gewerbeverband und Industrie- und Handelskammer dafür unter anderem an Versammlungen von lokalen Gewerbeverbänden. Insgesamt rund 1000 Firmen waren anwesend, aber nur eine einzige Praktikumsstelle schaute heraus. Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner Gewerbeverbandes und FDP-Kantonsrat, zu den Gründen, über Schwierigkeiten und mögliche Lösungen.

SRF News: Dass Ihre Kampagne nicht mehr bringt: Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Gaudenz Zemp: Doch, wir waren auch überrascht. Wir machen das so zum ersten Mal. Die Initiative kam von uns, aber es hat einfach nicht funktioniert.

Warum nicht?

Die Jugendlichen sind in einem Integrations-Brückenangebot. Im ersten Jahr werden sie sprachlich und schulisch fit gemacht und müssten im zweiten Jahr ein Praktikum machen. Auf diese Aufgabe sind Betriebe nicht vorbereitet. Die Flüchtlinge kommen aus anderen Kulturen, sprechen die Sprache schlecht und wissen nicht, welcher Beruf sie interessiert, und kommen zwei bis drei Tage pro Woche in den Betrieb. Da ist man noch nicht am Punkt, an dem man es plausibel findet, so etwas im eigenen Betrieb zu machen.

Die Gewerbler haben die Aufgabe verstanden und ich hatte das Gefühl, da würde sich etwas ergeben.
Autor: Gaudenz ZempDirektor Luzerner Gewerbeverband

An Ihren Veranstaltungen präsentierten sich ja Jugendliche, auch Lehrer waren dabei. Warum hat das nicht zum Erfolg geführt?

Diese Abende waren super, die Stimmung war gut, und ich hatte das Gefühl, da würde sich etwas ergeben. Aber im Alltag, wenn die Chefinnen und Chefs wieder in ihren Betrieben sind, denken sie nicht mehr daran und es geht unter.

Haben Sie vom Gewerbeverband Ihre Leute auch zu wenig motiviert?

Das ist für uns alle ein Lernprozess, und es ist klar: So geht es nicht. Aber als Verband können wir nur darauf aufmerksam machen. In die unternehmerischen Entscheide können wir nicht eingreifen.

Braucht es auch mehr Unterstützung vom Kanton?

Die Aufgabe ist komplex. Beim Kanton sind vier verschiedene Dienststellen involviert, damit haben Firmen viele Ansprechpersonen. Wir haben dem Kanton vorgeschlagen, dass eine Person auf die Betriebe zugeht und sie überzeugen hilft. Wir könnten uns vorstellen, dass das jemand vom Gewerbeverband ist, der das glaubwürdig machen kann. Wir haben aber kein Gehör gefunden. Da geht es auch um die Finanzierung.

Der Kanton hat ja kein Geld. Heisst das also, man kann nichts tun?

Für das Integrationsangebot stellt der Kanton 12,5 Millionen zur Verfügung bis 2021. Wenn man jetzt aber sieht, dass es finanzielle Anreize bei den Betrieben benötigt, dann müssen zusätzliche Mittel bereit gestellt werden.

Bis Februar sind 30 Praktikumsplätze gesucht, bis Sommer weitere 150. Werden Sie das schaffen?

Ich weiss nicht, ob wir das schaffen werden. Wir kommunzieren intensiv, aber ich wage keine Prognose.

Das Gespräch führte Miriam Eisner.

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