Risse in den eigenen vier Wänden

Das Luzerner Theater zeigt das Stück «Bin nebenan» der deutschen Autorin Ingrid Lausund. In verschiedenen Monologen öffnen Hausbewohner die Tür zu ihren Wohnungen und ihrem Leben.

Ein Mann und eine Frau. Er steht auf einer weissen Bühne - sie sitzt daneben. Zwei Scheinwerferspot beleuchten die Szene.

Bildlegende: Schlichte Inszenierung: Sven Gey und Julia Doege schlüpfen in «Bin nebenan» in die Rollen der Hausbewohner. Luzerner Theater/ Ingo Höhn

Die eigenen vier Wände sind heilig. Welche Abgründe sich dahinter verbergen thematisiert die deutsche Autorin Ingrid Lausund in verschiedenen Monologen. Das Luzerner Theater bringt diese im UG zur Aufführung.

Die Inszenierung von Maxime Mourot - es ist seine erste Regiearbeit überhaupt - ist schlicht. Ebenso das Bühnenbild, welches ohne Requisiten auskommt und die grauen Kostüme.

Bröckelnde Idylle

Regisseur Maxime Mourot inszeniert mit der nötigen Zurückhaltung und lässt dem Text so viel Raum. Dieser besticht durch kraftvolle Monologe, denen es an Tragik-Komik nicht fehlt. Die Wohnidylle in Ingrid Lausunds Texten bröckelt heftig: Die unglückliche Ehefrau, welche ihre Wohnungseinrichtung liebt und von ihrem Ehegatten wie von einem Einrichtungsgegenstand spricht, der junge Mann, der zu Hause nur die Sau rauslassen kann, wenn die Freundin weg ist, der misshandelte und im Stich gelassene Bewohner, der sein Leben mehr schlecht als recht auf die Reihe kriegt.

Kleine Gesten und grosse Natürlichkeit

Auch wenn es in den Monologen häufig um Einsamkeit und Isolation geht; die Aufführung im UG des Luzerner Theaters ist keine schwere Kost. Die Schauspieler Julia Doege und Sven Gey spielen mit grosser Natürlichkeit und ohne grosse Gesten. «Bin nebenan» ist eine gelungene und intensive Aufführung.