Lösung nach jahrelangem Streit Stadt Luzern schreibt Stände für Wochenmarkt aus

Neu werden die rund 80 Plätze nach 14 festen Kriterien vergeben. Die Zuteilungen gelten ab 2019.

Impressionen vom Luzerner Wochenmarkt - einst und heute

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Stadt vergibt die Plätze am Wochenmarkt nach 14 Kriterien.
  • Die besten Chancen hat, wer biologisch produziert, regionale, saisonale oder spezielle Produkte feilbietet, eine schlanke Infrastruktur hat und oft am Markt ist.
  • Neu werden die Stände für jeweils fünf Jahre ausgeschrieben. Das neue System wurde wegen einer Beschwerde vor Bundesgericht nötig.
  • Die Ausschreibung dauert noch bis Ende August 2017. Ende Januar 2018 wird die Stadt ihre Entscheide bekannt geben.

Die Stadt vergab bislang die 80 Marktplätze in Jahresbewilligungen. Wer bereits einen Stand hatte, konnte diesen in der Regel behalten. Das Bundesgericht verlangte aber eine Änderung der Vergabepraxis, damit neue Anbieter nicht benachteiligt würden.

«  Mit dieser Lösung haben wir ein transparentes und faires Verfahren, das dem Bundesgerichtsurteil entspricht. »

Adrian Borgula
Stadtrat Luzern

Die Stadt informierte nun über die Details des Prozederes. «Mit dieser Lösung haben wir ein transparentes und faires Verfahren, das dem Bundesgerichtsurteil entspricht», sagt der zuständige Stadtrat Adrian Borgula. Das Ziel sei es, auch mit der neuen Vergabepraxis den traditionellen Sortimente-Mix und den Charakter des Wochenmarktes zu sichern, teilte die Stadt mit.

Das Sortiment wird stark gewichtet

Einen hohen Stellenwert am Markt sollen die Spezialitäten haben, für die 18 Stände vergeben werden. Die Sparten Früchte und Gemüse sowie Floristik und Gärtnerei werden mit je 15 Ständen am Markt vertreten sein. Hofläden erhalten 8 Stände, die restlichen Stände entfallen auf die Sparten Milchprodukte (6), Fleisch (6), Brot (5) und Fische (2).

Bei der Vergabe wird das Sortiment am stärksten gewichtet. Im Vorteil ist, wer regionale, saisongerechte und spezielle Produkte anbietet. Bewerber können auch punkten, wenn sie Kleinproduzenten sind oder biologisch produzieren.

Eine hohe Präsenz am Wochenmarkt und wenig Platzbedarf für Fahrzeuge wirken sich ebenfalls positiv aus.

Kontrollen werden durchgeführt

Die Stadt vergleicht den Aufwand für das Ausfüllen eines Gesuchsformulars mit dem erstmaligen Ausfüllen einer Steuererklärung. Wer den Zuschlag erhält, kann ab dem 1. Januar 2019 seine Produkte anbieten.

Die Angaben der Marktfahrer werden dann per Stichprobe überprüft. Grobe Verstösse gegen die Bewilligung können zu deren Entzug führen.

«  Ich habe es selber erlebt, wie schwierig es als Neuling sein kann, am Luzerner Wochenmarkt einen Stand zu erhalten. »

Patrick Biedermann
Gärtner und Marktfahrer

Bei den Standbetreibern in der Stadt Luzern kommen die neuen Regeln unterschiedlich gut an. Vor allem die Online-Bewerbung gibt zu reden. «Es ist ein grosser Aufwand, aber man muss sich da einfach reinschicken, sonst ist man weg vom Fenster», sagt etwa Rita Buholzer, die seit 30 Jahren Gemüse und Blumen am Markt verkauft.

Die neuen Regeln stossen jedoch auch auf Zuspruch. Das neue Vergabeverfahren sei offen und fair, findet Patrick Biedermann, der alte Pflanzenarten verkauft und noch nicht lange auf dem Markt präsent ist. «Ich habe es selber erlebt, wie schwierig es als Neuling sein kann, am Luzerner Wochenmarkt einen Stand zu erhalten.»