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Stanser Fotograf neu entdeckt «Ohne diese Liebe wäre mein Vater wohl nie Fotograf geworden»

Leonard von Matt war in den 1970er-Jahren einer der erfolgreichsten Schweizer Fotografen, heute ist er vergessen. Eine Ausstellung in Stans stellt nun sein Frühwerk vor. Es zeigt eine untergegangene Welt – und verweist auf eine grosse Liebesgeschichte im konservativen Nidwalden der 1930er-Jahre.

Legende: Audio «Sie trug Hosen, eine akkurate Frisur, und sie parfümierte sich - das passte den Leuten nicht» abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
3:20 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 14.06.2018.

«Minder-Waar» nannte der Stanser Fotograf Leonard von Matt die Bilder, die er zwischen 1936 und 1946 im Kanton Nidwalden schoss. Sie waren für ihn nichts weiter als Fingerübungen zu Beginn seiner Karriere als Fotograf.

Veröffentlicht hat er sie darum nie. Aus heutiger Sicht sind sie jedoch eindrückliche Zeitdokumente: Sie zeigen den ländlichen Kanton Nidwalden und seine Bevölkerung kurz vor den Umbrüchen, die die Moderne mit sich brachte.

Dank einer «Amour fou» zur Fotografie

Eindrücklich ist auch die Entstehungsgeschichte der Bilder. Denn hinter ihnen steht eine Liebesgeschichte, die 1936 für einen Skandal in Kanton Nidwalden sorgte: Leonard von Matt, Spross einer angesehenen Stanser Buchhändler-Dynastie, heiratete Berta Lehmann.

Sie war neun Jahre älter als er, geschieden – und die beiden hatten sich schon getroffen, als sie noch verheiratet war. «Sie trug Hosen, eine akkurate Frisur, und sie parfümierte sich», sagt Madelaine Kaiser-von Matt, die 73-jährige Tochter der beiden heute. «Das passte den Leuten nicht.»

Doch ohne diese Ehe hätte es Buchhändler Leonard von Matt wohl nie gewagt, aus dem elterlichen Betrieb auszusteigen und voll auf die Fotografie zu setzen. «Meine Mutter ermunterte ihn, sagte, sie würden das gemeinsam schon schaffen», sagt Madelaine Kaiser-von Matt.

Die Würdigung der Frau des Fotografen

Leonard von Matt begann zu fotografieren – seine Frau assistierte, schleppte die Ausrüstung, entwickelte, archivierte und redete bei der Bildauswahl für die Fotobände mit, die bald europaweit bekannt wurden.

Ihr Vater habe zwar stets betont, dass auch seine Frau an seinen Büchern mitbeteiligt war, aber ihre Rolle sei nie genügend gewürdigt worden, sagt Madelaine Kaiser-von Matt.

Die Ausstellung im Nidwaldner Museum in Stans soll das nun ändern. «Wenn man all die Hintergründe der damaligen Zeit kennt, dann ist es eine verrückte Liebesgeschichte», sagt die Tochter des 1988 verstorbenen Ehepaars. «Und ohne diese Liebesgeschichte würde es all diese Bilder wohl nicht geben.»

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr

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