Theaterkritik «Tauben fliegen auf» am Luzerner Theater

Der Erfolgsroman "Tauben fliegen auf" der ungarisch-schweizerischen Autorin Melinda Nadj Abonji ist erstmals in einer Bühnenfassung zu sehen. Das Luzerner Theater hält sich dabei ganz nahe an die Romanvorlage und inszeniert die Geschichte um Einwanderung und Integration fast als eine Art Hörspiel.

Einfaches Bühnenbild bei «Tauben fliegen auf» am Luzerner Theater

Bildlegende: «Tauben fliegen auf» am Luzerner Theater - Eindrücklicher Verzicht auf Theatralik zvg/Luzerner Theater/Ingo Höhn

Im Zentrum des Stücks steht Ildikó, die Tochter einer Familie, die in die Schweiz zieht - aus der nordserbischen Provinz Vojvodina, wo eine ungarische Minderheit lebt. Die Familie arbeitet sich herauf und kann in einem Dorf an der Zürcher Goldküste eine Cafeteria übernehmen.

Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, die aber insbesondere der Tochter viel abverlangt: Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Wurzeln in Jugoslawien und dem Leben in der Schweiz.

Eindrücklicher Verzicht auf Theatralik

Der preisgekrönte Roman "Tauben fliegen auf" besticht insbesondere durch die melodische und gleichzeitig distanzierte Sprache. Und genau diese setzt das Luzerner Theater in der Bühnenfassung ins Zentrum, indem die Regisseurin Sylvia Sobottka auf jeglichen Schnickschnack in der Inszenierung verzichtet.

Die fünf Schauspielerinnen und Schauspieler gehen in der Box umher, auch zwischen dem Publikum, lesen den Text und halten sich nicht durchwegs an ihre Rollen. Genau damit - mit dieser Zurückhaltung - gelingt es ihnen, dem Originaltext zusätzlichen Raum zu geben und verleihen ihm sogar noch mehr Kraft, als ohnehin schon in ihm steckt.

Regionaljournal Zentralschweiz; 17.30 Uhr