Turbulente Genderdebatte im Zuger Parlament

Der Zuger Kantonsrat hätte um ein Haar für eine Schweizer Premiere gesorgt. Beinahe hätte das Parlament die männliche Form aus den Gesetzestexten gekippt. Nach langem Hin und Her und einer Wahlwiederholung wurde der Antrag nach langer Debatte knapp abgelehnt.

Ein Paar Männer- und Frauenschuhe auf Parkettboden.

Bildlegende: Männer und Frauen bleiben weiterhin gleichberechtigt in Zuger Gesetzestexten. SRF

Der Antrag aus den Reihen der CVP wurde am Ende einer hitzigen Debatte mit 38 zu 34 Stimmen nur knapp abgelehnt. Auslöser für den feministischen Beinahe-Durchbruch war jedoch ausgerechnet die SVP: Sie forderte vor einigen Wochen, die weibliche Form «aus Gründen der sprachlichen Einfachheit» aus allen Gesetzestexten des Kantons zu streichen. Die Frauen seien ja «automatisch mitgemeint».

Aufstand der Zugerinnen

Diese Provokation liessen die Zuger Kantonsrätinnen aber nicht auf sich sitzen: Als Protestaktion auf diesen «mittelalterlichen Antrag» forderten sie kurzerhand das konsequente Weglassen der männlichen Form - und hätten am Donnerstag damit beinahe Erfolg gehabt, weil auch zahlreiche Männer der linken Ratsseite dafür stimmten.

Die Bürgerlichen riefen wiederholt «zur Vernunft» auf, sahen schon die Männer diskriminiert und die deutsche Sprache vergewaltigt. Am Schluss bleibt nun aber trotz stundenlangem Gezerre alles beim Alten: In den Gesetzen werden weiterhin männliche und weibliche Formen verwendet, auch wenn dies mitunter kompliziert zu lesen ist.