Milchverarbeiter Emmi «Ziegenmilch ist eine interessante Nische»

Den Grossteil des Umsatzes macht Emmi nach wie vor mit Joghurts, Käse und Desserts aus Kuhmilch. Vermehrt setzt Emmi-Chef Urs Riedener aber auch auf Ziegenmilch. Einerseits mit Zukäufen im Ausland, aber auch mit Massnahmen im Heimmarkt - und auch mit mehr Ziegenkäse in seinem eigenen Kühlschrank.

SRF News: In den letzten Monaten haben Sie stark in Ziegenmilch investiert, Produzenten aufgekauft, in Holland und in den USA Firmen aufgekauft. Ist die Ziege die neue Milchkuh von Emmi?

Urs Riedener: Nein, natürlich nicht im Gesamtkontext. Das heisst, wir werden auch in Zukunft 98 Prozent Kuhmilch haben und dann haben wir noch ein bisschen Ziegenmilch. In ganz grossen Märkten können wir uns keine führende Position erkaufen, da sind wir zu klein. Deshalb müssen wir auf Nischen setzen. Eine von diesen interessanten Nischen ist die Ziegenmilch. Dieser Markt wächst international. Ausserdem ist die Ziegenmilch die erste Alternative bei Kuhmilchintoleranz und diese nimmt eher zu. Daher glauben wir klar an dieses Wachstumssegment und da können wir auch international eine führende Rolle spielen.

Jetzt haben wir vom ausländischen Ziegenmilch-Markt gesprochen, im Inland wäre das für die Landwirtschaft auch interessant, weil die Zahlungen für Ziegenmilch relativ gut sind. Die Bauern müssten also Interesse haben. Wo investieren Sie im Inland?

Das Interesse ist durchaus vorhanden. Von den Produzenten gibt es einige, die sich plötzlich für Ziegenmilch interessieren. Wir haben kürzlich bei einer Zusammenkunft mit den Produzenten gesagt, dass wir hier Potenzial sehen. Wir möchten mit Ziegenmilch auch in der Schweiz um 10 Prozent wachsen und dem einen oder andern Produzenten ermöglichen, den Betrieb zu erweitern oder sogar umzusatteln. Ich glaube, das ist eine Sache, die am Markt Erfolg hat. Da sind wir froh, wenn wir auch in Zukunft Produzenten haben und vor allem auch jetzt mit bestehenden Produzenten wachsen können.

Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung geht dieser aus Schweizer und Zentralschweizer Sicht?

Es ist klar, wir hatten einen Umsatzschwund in der Schweiz 2016 und wahrscheinlich geht das noch weiter im Jahr 2017. Wir müssen schauen, dass wir den Markt stabilisieren können und da tragen natürlich auch die Konsumenten dazu bei. Wir werden viel auch in die Vermarktung und in neue Produkte investieren in Zukunft. Wir sehen durchaus, hoffentlich auch mit höheren Milchpreisen, dass es wieder mehr Wertigkeit gibt in diesem Sektor. Insgesamt sage ich immer, der Milchsektor ist der landwirtschaftliche Sektor, der am besten aufgestellt ist, national und international. Da sehe ich durchaus positive Aussichten mittelfristig.

Ausschnitt aus einem Gespräch mit Urs Riedener, CEO Emmi. Die Fragen stellte Dario Pelosi.

Regionaljournal Zentralschweiz, 12:03/17:30 Uhr