Asylzentrum Glaubenberg Zu teuer und im Clinch mit Umweltschutz

Der Bund distanziert sich von einem Ausreisezentrum auf dem Glaubenberg im Kanton Obwalden: Die Kosten seien zu hoch und das Zentrum befinde sich mitten in einer bedeutenden Moorlandschaft. Der Bund setzt deshalb weiterhin auf den umstrittenen Standort Seewen.

Zwei verschneite Häuser und ein Schild mit der Aufschrift Truppenlager Glaubenberg.

Bildlegende: Für den Bund zu teuer, für die Schwyzer Regierung weiterhin interessant: Das Truppenlager in Obwalden. Keystone

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hält nicht viel von einem definitiven Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg. So lautet ihre Antwort auf eine entsprechende Frage aus dem Nationalrat, berichtet die «Obwaldner Zeitung».

Der Bund setzt stattdessen auf das ehemalige Zeughaus Wintersried im Kanton Schwyz – trotz Widerstand der Kantonsregierung.

Standort Schwyz 10 Millionen günstiger als in Obwalden

Das Zentrum in der Schwyzer Gemeinde Seewen komme deutlich günstiger, meint der Bund: Der Bau würde 10 Millionen und der Betrieb 700'000 Franken weniger kosten als das Zentrum auf dem Glaubenberg. Ausserdem sei ein Bundesasylzentrum in Obwalden schwer mit dem Schutz der Moorlandschaft auf dem Glaubenberg vereinbar.

«Kosten beruhen auf einer groben Schätzung»

Dass der Bund den Standort Wintersried favorisiert, passt dem zuständigen Schwyzer Regieringsrat Andreas Barraud überhaupt nicht: «Die Kosten von 10 Millionen Franken beruhen auf einer groben Schätzung – ohne dass überhaupt ein Augenschein auf dem Glaubenberg stattgefunden hat. Der Moorschutz ist bei einem Neubau gefährdet, das ist richtig. Bei einer Sanierung sollte das aber kein Problem sein.»

«  Wintersried ist ein schlechter Standort. »

Andreas Barraud
Schwyzer Regierungsrat

Für Barraud ist der Standort Glaubenberg deshalb noch nicht vom Tisch, denn für die Schwyzer Regierung sei Wintersried «ein schlechter Standort».

Kostenüberwälzung auf ganze Region?

Bereits Anfang diesen Jahres hatte der Bund angekündigt, dass man allfällige Mehrkosten eines teureren Standortes zumindest zum Teil auf die Zentralschweizer Kantone überwälzen wolle. Der Schwyzer Regierungsrat Andreas Barraud ist überzeugt, dass dies nicht eintreffen wird: «Wir haben das abgeklärt. Für eine solche Überwälzung besteht keine rechtliche Grundlage.»

Ohne drohende Kosten würden auch die anderen Kantone der Zentralschweiz hinter den Standort Glaubenberg stehen, meint Barraud.

Enger Austausch zwischen Obwalden, Schwyz und Bund

Dass sich der Bund nun über die Kosten beklagt, überrascht im Kanton Obwalden nicht: «Die aufgeführten Kosten und die Bedenken im Bezug auf den Moorschtz sind für uns nichts Neues», sagt der zuständige Regierungsrat Christoph Amstad. Man stehe im regen Kontakt mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und dem Kanton Schwyz und kenne deshalb die unterschiedlichen Positionen.

«  Ich bin zuversichtlich, dass wir das provisorische Zentrum Glaubenberg in ein definitives umwandeln können. »

Christoph Amstad
Obwaldner Regierungsrat

Trotz schlechter Signale aus Bern, bleibt Amstad optimistisch: «Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen und ich bin zuversichtlich, dass wir das jetzige, provisorische Zentrum auf dem Glaubenberg in ein definitives umwandeln können.»

Dass die Gespräche am laufen seien, bestätigt auch Martin Reichlin vom SEM. Sobald der Entscheid feststehe, werde man öffentlich darüber informieren.