Als die «wilden Stammeskrieger» nach Zürich kamen

Bis in die 1960er-Jahre wurden in Zürich Menschen aus Afrika, Indien und Südamerika ausgestellt. Die Geschichte dieser Völkerschauen hat nun eine Zürcher Autorin aufgearbeitet.

Auf dem Zürcher Letzigrund wurde im Sommer 1925 ein sogenanntes «Negerdorf» errichtet.

Bildlegende: Auf dem Zürcher Letzigrund wurde im Sommer 1925 ein sogenanntes «Negerdorf» errichtet. Sammlung Rea Brändle

«Riesen-Neger aus dem Sudan!» Mit solchen Werbesprüchen wurden die Zürcherinnen und Zürcher bis in die 1960er-Jahren an die zahlreichen Völkerschauen gelockt, die an verschiedenen Plätzen in der Stadt Zürich, aber auch im Tösstal oder in Wädenswil inszeniert wurden.

Auf dem Letzigrund wurde im Jahr 1925 gar ein ganzes «Negerdorf» aufgebaut mit 74 Bewohnern aus Westafrika. Drei von ihnen haben den einmonatigen Aufenthalt in Zürich nicht überlebt; sie starben an einer Vitaminmangel-Erkrankung.

Es sind solche Geschichten, welche die Zürcher Autorin Rea Brändle in ihrem neu aufgelegten Buch «Wildfremd, hautnah» erzählt und analysiert. Am 30. Januar hält die Literaturwissenschaftlerin in Winterthur einen Vortrag über die kaum bekannte Geschichte von Völkerschauen in der Region Zürich.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Menschenzoos - eine gar nicht so alte Geschichte

    Aus Echo der Zeit vom 10.12.2013

    «Wirklich echte Hottentotten!»  Plakate mit solchen und ähnlichen Ankündigungen wurden bis weit ins 20. Jahrhundert in Zürich und anderen Schweizer Städten ausgehängt - als Werbung für sogenannte Völkerschauen. Ein Buch zeichnet jetzt die Geschichte dieser Menschenzoos nach.

    Karin Salm