«An einer Schneefrau als Böögg hätten die Zünfter keinen Plausch»

Seit fünfzig Jahren baut Heinz Wahrenberger den Böögg fürs Sechseläuten. Der aktuelle Böögg – sein fünfzigster – ist auch Wahrenbergers letzter. Als 75-Jähriger sei für ihn nun die Zeit gekommen, die Aufgabe in die Hände seines «Lehrlings» zu geben.

Heinz Wahrenberger montiert die Böller

Bildlegende: In seiner Werkstatt in Stäfa montiert Heinz Wahrenberger seinem letzten Böögg ein paar Böller an die Füsse. SRF

Seit fünfzig Jahren baut Heinz Wahrenberger jedes Jahr eine Schneemann-ähnliche Figur. Und jedes Jahr wird sie mutwillig angezündet und zerstört. Dies sei allerdings nicht der Grund, warum er den Job als Böögg-Bauer nun an den Nagel hänge, erklärt Heinz Wahrenberger im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Der Grund sei sein Alter.

Rund fünfzig Stunden Arbeit steckt in jedem Böögg. Beim Besuch des Regionaljournals in seiner Werkstatt in Stäfa hat der aktuelle Schneemann noch einen «offenen Rücken», den Wahrenberger bis zum Montag noch schliessen muss. Der Böögg ist trotzdem bereits geladen, «vo zunderst bis zoberst».

Keine Freude an Veränderungen

Sein Böögg sehe seit fünfzig Jahren ähnlich aus, erzählt Heinz Wahrenberger. Er sei etwas «feisser» als diejenigen seines Vorgängers, das Feuerwerk sei dafür seit ein paar Jahren ein bisschen weniger knallig: «Ich habe in den 50 Jahren zwar immer etwa dasselbe Feuerwerk reingetan. Die Zünfter-Ohrenärzte haben dann aber reklamiert, es sei zu laut.»

Sonst hätten die Zünfter aber keine Freude, wenn er zu viel verändere: «Wenn ich eine Schneefrau machen würde als Böögg, da hätten die Zünfter nicht den Plausch.» Einmal – im Jahr nachdem der Böögg umgefallen und auf der Nase gelandet war – zog Heinz Wahrenberger ihm einen Sturzhelm an: «Bei den älteren Zünftern kam das nicht so gut an, die jüngeren hatten ihre Freude daran.»

Kopf-Böller im Plastiksäckli

An die Sommervorhersage des Bööggs glaubt Heinz Wahrenberger nicht. Er selbst hofft jeweils auf etwa 20 Minuten bis zum Platzen des Kopfs: «Da hat man auch etwas vom Böögg.» Und damit der Kopf auch sicher schön explodiert, hat Wahrenberger einen Trick. Einerseits steckt er zwei extra grosse, gekoppelte Böller in den Kopf, andererseits schützt er diese auch speziell: «Die Böller im Kopf des Bööggs sind die einzigen, die ich in ein Plastiksäckli stecke. Sicherheitshalber, damit sie auch ganz sicher losgehen, falls es regnen würde.»

Seit sieben Jahren wird Heinz Wahrenberger nun schon von seinem Nachfolger unterstützt. Fürs Sechseläuten 2016 soll sein «Lehrling» den Böögg dann bauen. Ganz aufhören kann Heinz Wahrenberger aber doch nicht: «Ich bin dann noch ab und zu als Assistent dabei.»