Bahnhofstrasse um jeden Preis?

Die Zürcher Bahnhofstrasse ist eine der bedeutendsten Einkaufsstrassen der Welt. Die Nachfrage von Internationalen Geschäften, an der Luxusmeile präsent zu sein, ist ungebrochen – trotz Rekordmieten. Auch ein Zürcher Gastro-Unternehmen wagte sich kürzlich an den exklusiven Standort.

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Aufbruch an der Bahnhofstrasse

13 min, aus Schweiz aktuell vom 13.8.2013

Prada, Rolex, Dior, H&M und Apple. Weltmarken wollen an die Bahnhofstrasse in Zürich – um (fast) jeden Preis. Es bestehe noch immer eine Über-Nachfrage, weil noch immer viele Internationale Labels Standorte in der Schweiz suchen, und zwar an bester Lage an der Bahnhofstrasse. «Diese Unternehmen betrachten die hohe Miete zum Teil als Werbegeld», sagt Marco Feusi vom Immobilienberater Wüest & Partner gegenüber Schweiz aktuell.

Mut zum Risiko

Ein Gegentrend zur globalisierten Bahnhofstrasse beweist das Zürcher KMU «Two Spice»: Es hat im Sommer den Schritt an die Bahnhofstrasse gewagt: Mit dem Yoojis, einem Japanischen Restaurant. Die Unternehmer Marc Saxer und Daniel Kehl bezahlen geschätzte 9‘000 Franken pro Quadratmeter im Jahr für ihr Lokal. Das wären bei ihrer Ladenfläche einen monatlichen Mietzins von 150‘000 Franken.
Wüest & Partner bestätigt, dass Mietzinse an dieser Lage üblich seien. Es kommentiert den Mietzins von Yoojis nicht. Rund um den Hauptbahnhof seien die Passantenfrequenzen jedoch am höchsten. Dort würden Mieten bis zu 9000 Franken pro Quadratmeter bezahlt

Verdrängung des lokalen Gewerbes

Yoojis ist eine Ausnahme. Allgemein verdrängen Internationale Konzerne an der Bahnhofstrasse das lokale Gewerbe. Am Standort des Sushi-Restaurants war 40 Jahre lang eine Metzgerei tätig. Nachdem der Mietvertrag auslief, drohte eine massive Zinserhöhung, welche sich das Unternehmen nicht mehr leisten konnte. Ähnlich erging es in den letzten Jahren mehreren Schweizer Firmen: Blumenhäuser, Parfumerien und Musikgeschäfte konnten dem Umsatzdruck an der Bahnhofstrasse nicht mehr standhalten.
Generell stagniere die Nachfrage jedoch: «Vermehrt überlegen es sich Internationale Interessenten zwei Mal und sind nicht mehr bereit, jeden Preis zu bezahlen» so der Immobilienfachmann. Grund sei auch die Europäische Rezession.
Olivier Burger, Chefs des Schweizer Modelabels PKZ sieht eine weitere Folge. Burger ist einer der wenigen noch einheimischen Mieter und Ladenbesitzer an der Zürcher Bahnhofstrasse. Burger sagt, es würden bald wieder Geschäfte zu haben sein, weil Mieter Verträge viel zu teuer abgeschlossen haben und nun Mühe hätten, die Mieten zu bezahlen: «Ich bin sicher, dass an der Bahnhofstrasse bald wieder Lokale zu haben sind, weil die bisherigen Mieter sagen: Halt: das ist mir zu teuer». Es seien nicht nur alteingesessene Mieter.