Premiere am Zürcher Opernhaus Ballett trifft Barock

Die Barockformation la Scintilla und die Ballettcompagnie gehören seit Jahrzehnten zum Zürcher Opernhaus. Aber einen gemeinsamen Auftritt hatten sie noch nie. «Corpus» heisst der Abend, den sie jetzt gemeinsam gestalten. Wobei das Orchester aber vor allem als Begleitband im Orchestergraben wirkt.

Perfekt und brilliant: Die Tänzerinnen und Tänzer im Zürcher Opernhaus im neuen Ballettabend Corps.

Bildlegende: Perfekt und brilliant: Tänzerinnen und Tänzer des Zürcher Opernhauses im neuen Ballettabend «Corpus» zvg Opernhaus

Ein Corpus kann vieles sein. Als Titel des neusten Ballettabends steht er vor allem für Körper. Denn Ballett ist Körperkunst. Nur: Wie unterschiedlich diese Körperkunst sein kann, das zeigen die beiden Choreographen Douglas Lee und Filipe Portugal. Filipe Portugal, selber Tänzer im Zürcher Ballett, lotet Grenzen aus. Wie hoch kann man Beine strecken, wie weit Arme spreizen, wie schnell mit den Fingern zappeln? Sehr virtuos und technisch anspruchsvoll ist seine Choreographie. Dass er dabei auch der Frage nachgehen will, wie stark unser Körper mit der Seele verbunden ist, geht in den vielen Bewegungen verloren.

Was eine Bewegung erzählen kann

Douglas Lee geht einen anderen Weg. Er setzt den Körper dazu ein, eine Geschichte zu erzählen: die Geschichte von der «Dame mit dem Fächer». Inspiriert wurde er dazu von einem Bild des spanischen Malers Diego Velázquez.

Mit wenigen, aber sehr ausdrucksstarken Bewegungen kreiert Lee eine Atmosphäre, die beklemmend und eindrücklich ist. Tänzerinnen und Tänzer sind bei ihm nicht einfach Körper, es sind Persönlichkeiten, Charakteren. Brillant getanzt vom ganzen Ensemble, aber nicht immer ganz so brillant begleitet vonm Orchestra La Scintilla. Barocke Instrumente sind tückisch. Die Darmsaiten verstimmen sich schnell, die Blasinstrumente sprechen nicht immer gleich an. Das war vor allem im ersten Teil unüberhörbar.

Weitere Vorstellungen bis zum 2. Juli