Zürcher Kirchgemeindefusion «Bei so vielen offenen Fragen – weshalb soll ich da Ja sagen?»

Eine Kirche, daran vorbei verläuft eine Strasse, auf der Autos fahren.

Bildlegende: Die einzige Zürcher Kirchgemeinde mit eigener Tramhaltestelle: die Kirche Fluntern. SRF

  • In der Stadt Zürich soll es in Zukunft nur noch eine Kirchgemeinde geben – statt deren 34.
  • Vor drei Jahren sagten die Reformierten an der Urne Ja. Nun liegt der konkrete Vertrag für den Zusammenschluss vor.
  • Die 33 Zürcher Kirchgemeinden und die Kirchgemeinde Unterengstringen müssen darüber abstimmen. Damit der Vertrag gilt, müssen 24 Gemeinden zustimmen.
  • Fraumünster, Hottingen, Industrie und Fluntern haben bisher Ja gesagt. Oerlikon hat den Vertrag abgelehnt.

Der Kirchgemeindesaal ist voll. 49 Kirchgemeindemitglieder sind gekommen, um über die Zukunft ihrer Gemeinde abzustimmen. 49 meist ältere Männer und Frauen – ein Bruchteil der rund 2200 Mitglieder, aber mehr als an gewöhnlichen Versammlungen.

«Willkommen zu dieser wegweisenden Kirchgemeindeversammlung», begrüsst Kirchenpflegepräsidentin Christine Rial die Mitglieder. Wegweisend, denn die Reformierten Fluntemerinnen und Fluntemer müssen entscheiden, ob sie ihre Selbständigkeit aufgeben wollen. «Daran führt kein Weg vorbei», argumentiert Kirchenpfleger Peter Burri. Denn der Kirchgemeinde fehlt wegen des Mitgliederschwundes das Geld. «Seit 1960 ist die Hälfte der Steuereinnahmen weggebrochen.»

Doch so einfach lassen sich die Reformierten in Fluntern nicht überzeugen. «Wer entscheidet in Zukunft über die Projekte?» «Was geschieht mit den Kirchen?» «Wo wird Gottesdienst gefeiert?» «Wie viel können wir künftig mitbestimmen?», wollen sie wissen. Die Antwort lautet meist: So genau weiss man das noch nicht.

Viele Fragen, wenig Antworten

«Diese Gleichung hat derart viele Unbekannte, weshalb soll ich hier zustimmen?», fragt ein älterer Herr. Und eine der jüngeren Teilnehmerinnen erkundigt sich: «Was passiert, wenn zu viele Gemeinden Nein sagen?» Die Antwort lautet: Eine Verzögerung, eine Verunsicherung, aber kein Stopp des Reformprojektes.

Fast eine Stunde lang diskutieren die reformierten Gemeindemitglieder. Doch am Schluss ist das Abstimmungsergebnis deutlich: 44 sagen Ja. Drei lehnen den Zusammenschluss ab und zwei enthalten sich. Und dann gibt es einen kurzen Applaus – vielleicht, um sich selbst Mut zu machen auf dem ungewissen Weg in die reformierte Zukunft.