Beim ZVV-Fahrplan sollen auch Herr und Frau Zürcher mitreden

Der Zürcher Gemeinderat verlangt mehr Mitspracherecht bei der regionalen Fahrplangestaltung. Künftig sollen auch ÖV-Nutzerinnen, Quartiervereinspräsidenten und Gemeinderäte in der regionalen Verkehrskonferenz Einsitz nehmen. Vergeblich warnte Stadtrat Andres Türler vor zu hohen Erwartungen.

Fahrplantafel im Zürcher Hauptbahnhof

Bildlegende: Wenn da nur nichts aus dem Takt gerät: Beim Fahrplan sollen alle mitreden dürfen. Keystone

Bis jetzt stosse man beim ZVV auf taube Ohren punkto Fahrplanwünsche, klagte eine der Motionärinnen, Simone Brander von der SP. Zahlreiche Vorstösse des Zürcher Gemeinderates hätten zu nichts geführt. Auch die Quartiere würden zu wenig angehört. Als Beispiel führte Brander das Quartier Zürich-Wipkingen an, das mit dem Fahrplanwechsel auf Juni 2014 nur noch halbstündlich mit einer S-Bahn bedient wird.

Mit dem Einsitz von ÖV-Nutzerinnen, Quartiervereinspräsidenten und Gemeinderäten in der regionalen Verkehrskonferenz (RVK) soll dieses Gremium demokratischer und die Interessen der Region stärker gewichtet werden, hofften die Motionärinnen.

SVP: Nicht alle sollen «mitschnöre»

Stadtrat Andres Türler warnte indes vor überhöhten Erwartungen: Der Fahrplan werde nicht in der RVK gemacht. Diese habe nicht einmal das Recht, gegen einen Entscheid einen Rekurs einzulegen. Trotzdem wäre Türler bereit gewesen, den Vorstoss als Postulat entgegenzunehmen. Schützenhilfe erhielt Türler ausgerechnet von der SVP, die in diesem Fall keinen Anlass sah, das Volk mitreden zu lassen. «Unser herzliches Beileid, wenn bei der Fahrplangestaltung nun auch noch Passagiere und Öko-Gemeinderäte 'mitschnören'», meinte etwa Martin Bürlemann.

Zwar beklagten auch die beiden Quartiervereinspräsidenten im Gemeinderat, Christian Traber, (CVP) und Martin Bürki, (FDP), ihre schlechten Erfahrungen mit dem ZVV. Ihre Fraktionen wollten den Vorstoss aber auch nur als Postulat unterstützen.

Da jedoch die gesamte linke Ratshälfte und auch die Grünliberalen für die Motion stimmten, fand sie dennoch eine Mehrheit. Mit 65 zu 50 Stimmen wurde sie an den Stadtrat überwiesen. Dieser muss nun eine entsprechende Weisung ausarbeiten.