Best-Of: Reportage-Perlen aus der Region Zürich und Schaffhausen

Der Spielzeugladen Pastorini schloss im Februar sein Geschäft in der Zürcher Altstadt. Tiere, Eisenbahnen, Klötze aus Holz waren das Markenzeichen des Geschäfts. Ein letzter Rundgang mit dem Geschäftsinhaber durch den Traditionsladen am Weinplatz. Und der emotionale Rückblick ein halbes Jahr später.

Im Pastorini herrscht Ausverkaufsstimmung. Die Regale sind halbleer, das Geschäft so voll, wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. «20 Prozent auf alles», steht auf grossen, rot-gelben Plakaten. Mütter mit kleinen Kindern, Kindergärtnerinnen, Grosseltern kaufen Erinnerungsstücke ein. Es herrsche eine ganz besondere Stimmung, sagt eine der insgesamt 18 Verkäuferinnen, die ab kommender Woche ihre Arbeit verlieren: «Es ist sehr traurig mitanzusehen, wie sich die Regale leeren.»

Seit Januar herrscht Weihnachtsverkauf

Die Hamsterkäufe, die jetzt noch im Traditionsgeschäft getätigt werden, passen dabei so gar nicht zum Pastorini, bei dem immer alles etwas gemächlicher zu und her ging. Der 70-jährige Inhaber Felix Schuhmacher Pastorini kommt aus dem Staunen nicht raus: «Seit Januar haben wir hier Weihnachtsverkauf», sagt der Mann mit der Hornbrille und dem Schal um den Hals. «Wenn das immer so wäre, würde ich den Laden sofort wieder aufmachen!»

Die Realität vor der Ankündigung über die Schliessung des Pastorini in der Zürcher Altstadt sah aber anders aus. Das Besitzerehepaar machte Jahr für Jahr Verluste mit den pädagogisch wertvollen Spielsachen am Weinplatz. Die Gründe dafür seien vielfältig, glaubt Felix Schuhmacher Pastorini. Die Hauptursache sieht er aber im gesellschaftlichen Wandel.

«  Kinder haben heute viel weniger Zeit zum Spielen.  »

Felix Schuhmacher Pastorini
Inhaber Spielzeugladen Pastorini

Jetzt, wo die letzten Tage des Ladens gezählt sind, finden die Holzspielzeuge nicht nur reissenden Absatz – auch die Stimmen des Bedauerns mehren sich. «Es gibt auch Kundinnen und Kunden, die uns Vorwürfe machen, dass wir schliessen.» Dabei müssten sie nicht zu machen, wenn sie alle in den vergangenen 20 Jahren eingekauft hätten, verteidigt sich der Inhaber.

Neues Kapitel in Dübendorf und Online

Und auch ein halbes Jahr später stimmt es Felix Schumacher noch traurig, wenn er am ehemaligen Pastorini vorbeigeht. Dennoch sieht er auch das Positive: «Wir haben weniger Personal, vor allem aber weniger Sorgen.» Jetzt gelte es, den Online-Handel und das Geschäft in Dübendorf am Leben zu erhalten – gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit.

(simd/fren; grud/frid; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)