«Bis zu meinem letzten Atemzug»

Der Zürcher Obdachlosen-Pfarrer Ernst Sieber ist mit fast 89 Jahren noch immer im vollen Einsatz für jene, denen es nicht so gut geht. Einen letzten grossen Plan will er noch realisieren: Ein Dorf mitten in der Stadt, wo Arm und Reich miteinander leben.

Schon als Ernst Sieber 1956 seine erste Stelle als Pfarrer (damals in Uitikon-Waldegg) antrat, war es sein Ziel, die Kirche zu den Menschen zu bringen. Zwar predigte er auch immer gerne - aber noch lieber packte er an: «Ich sagte immer: Lebt den Glauben», sagt Sieber als «Regionaljournal Wochengast», «behaltet den Glauben nicht im Hosensack. Gönd a d'Seck

Und so setzt sich Sieber seither ein für Randständige, die Trinker und Süchtige, Einsame und Gestrauchelte, und für die, die kein Dach über dem Kopf haben. Im Laufe der Jahre baute Sieber drei Dutzend Projekte auf: das Spital Sunne-Egge zum Beispiel, oder das Obdachlosendorf Brothuuse und die Notschlafstelle Pfuusbus. Die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber betreut jährlich 4700 Menschen.

«Mein letzter Wunsch»

Mittlerweile ist Ernst Sieber 88 Jahre alt - trotzdem geht er noch regelmässig «uf d'Gass», zu den Leuten, die seine Hilfe brauchen: «Mit den Brüdern und Schwestern in Not halte ich zusammen bis zu meinem letzten Atemzug!»

Bevor ihn der Herrgott zu sich hole, wolle er aber noch ein letztes Projekt verwirklichen, sagt Ernst Sieber. Seine Vision: Aus leeren Kirchen und Pfarrhäusern in der Stadt Zürich ein Dorf auf die Beine stellen, in dem Arm und Reich miteinander wohnen. Details will er noch keine verraten, aber: «Ich komme dann sicher zu euch Medien, damit ihr mir helft, meinen letzten Wunsch zu erfüllen.»