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Zürich Schaffhausen «Carlos hat nur ein Fitnesstraining erhalten»

Der unter dem Pseudonym Carlos bekanntgewordene Straftäter hält sich zurzeit in den Niederlanden auf. Es gehe dabei aber nicht um Wellnessferien, versicherte der Leitende Oberjugendanwalt vor der versammelten Presse. Ein junger Mann wie Carlos müsse körperliche Energien abbauen.

Legende: Video Fall Carlos: Kritik an Martin Graf abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.03.2014.

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz haben der Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne) und der Leitende Zürcher Oberjugendanwalt Marcel Riesen (SVP) über die aktuelle Situation von «Carlos» informiert.

Grosser Gestaltungsraum

Anlass dazu gaben Medienberichte, wonach sich Carlos in den Niederlanden in einem Thaibox-Zentrum aufhalte und dort ein Thaibox-Training absolviere.

Entgegen anders lautenden Medienberichten betreibe Carlos aber kein Thaiboxen, versicherte Riesen. Er habe lediglich ein Fitnesstraining in einem Hotel absolviert. Die Unterbringung im Ausland biete beste Gewähr für eine Stabilisierung. «Ich hatte gehofft, dass dies geheim bleibt», sagte der Chef der Oberjugendanwalt.

In den Niederlanden untergebracht war Carlos in den ersten Tagen in einem Hotelzimmer zum Preis von 124 Euro pro Nacht. Dort gab es laut Riesen Trainingsmöglichkeiten, die es Carlos erlaubten, seine körperliche Energie abzuarbeiten. Inzwischen habe Carlos das Hotel aber bereits wieder verlassen.

Ich hatte gehofft, dass dies geheim bleibt.
Autor: Marcel RiesenLeitender Oberjugendanwalt

Laut Justizdirektor Graf geniesst die mit dem Sondersetting betraute Sozialfirma Riesen-Oggenfuss in der ersten Phase über einen «vergleichsweise grossen Gestaltungsraum». Ziel sei es, Carlos zu stabilisieren und auf ein Setting vorzubereiten, in dem er arbeiten, die Schule besuchen und eine Therapie absolvieren müsse.

Legende: Video SRF-Korrespondent Kay Schubert zur Affäre abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.03.2014.

In der zweiten Phase des Settings, das in wenigen Wochen beginne, werde er in einer einfachen Wohnung mit enger sozialpädagogischer Betreuung untergebracht, so der Leitende Oberjugendanwalt weiter.

Die Tagesstruktur bestehe aus Schule, Arbeitstätigkeit und Praktika. Sporttrainings könne Carlos nur noch in seiner Freizeit besuchen.

«Wir stehen hinter dem, was wir eingerichtet haben», versicherte Graf. «Wenn das Sondersetting eine Chance haben soll, muss man dem auch Zeit geben.» Carlos sei ein Einzelfall, den man nun auf den Weg bringen müsse, damit es später nicht noch mehr koste.

Legende: Video Thaibox-Trainer zur Affäre abspielen. Laufzeit 01:31 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.03.2014.

Der Justizdirektor bat zudem eindringlich, dem neuen Sondersetting und damit «Carlos» eine Chance zu geben. Auch der ehemalige Thaibox-Lehrer Shemsi Beqiri appelliert in «Schweiz Aktuell» an die Öffentlichkeit seinen damaligen Schützling in Ruhe zu lassen.

Graf verlangte Verzicht auf jeglichen Luxus

Aufgrund eines Urteils des Bundesgerichts befindet sich Carlos seit letztem Donnerstag in einem neuen Sondersetting. Regierungsrat Graf als politischer Vorgesetzter der Oberjugendanwaltschaft hatte eine strenge Kostenkontrolle, den Verzicht auf jeden Luxus und den Verzicht auf Kampfsportausbildungen als Teils des Settings verlangt.

Die neue Sonderbehandlung kostet pro Monat rund 19'000 Franken und ist damit etwa 10'000 Franken günstiger als die erste.

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74 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Mordasini, 3014 Bern
    Wie soll dieser junge Mann jemals Verantwortung für sein Leben, sein Tun übernehmen, wenn ihm stets alles durchgelassen und abgenommen wird?! Da wird aus einem Täter ein Opfer, aus dem Opfer ein Täter gemacht - das darf doch einfach nicht sein! Was ist mit dem Opfer, das die Messerattacke zwar überlebt hat, jedoch zeitlebens mit dem Erlebten, dem Trauma klarkommen muss? Was da alles abgeht, ist purer Hohn, eine Ohrfeige ins Gesicht des Opfers und jedes Menschen, der unschuldig in Not geraten ist
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  • Kommentar von alfred tanner, biel
    Nun ist Carlos auch Thema in den Niederlanden: http://www.telegraaf.nl/binnenland/22361189/__Veelpleger_in_wellness-hotel__.html Carlos sofort zurückholen lassen, den Eltern übergeben und diesen die Rechnung für die bisherigen entstandenen Kosten zukommen lassen!
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  • Kommentar von Thomas Leu, Adetswil
    Mit solchen "Settings" wird unkooperatives Verhalten von arbeitsscheuen Gewalttätern belohnt. Dieses Modell kann nicht auf ähnliche Fälle verallgemeinert werden, denn es absorbiert zu viele Steuermittel, die andernorts dann fehlen. Der junge Mann soll zur Strafe, wie in anderen Ländern, in den Knast, dort unter Aufsicht eine einfache Lehre absolvieren und sein Geld selber verdienen. Nach Holland und zurück soll er mit dem Velo, schlafen im Zelt. So kann er überschüssige Energien gut abbauen.
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