«Dann wäre das System gescheitert»

Der Präsident der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) des Kantons Zürich, Ruedi Winet, wehrt sich dagegen, den Gemeinden mehr Mitsprache zu geben. Ansonsten wäre das ganze System der Profi-Behörde in Gefahr.

Beim eidgenössischen Parlament in Bern und auch in Zürich sind verschiedene Vorstösse hängig. Bürgerliche Politiker und Gemeindevertreter verlangen mehr Kompetenzen für die Gemeinden, falls ihnen eine Schutzmassnahme der KESB zu teuer ist.

Ruedi Winet warnt vor einer derartigen Entwicklung: «Unsere Unabhängigkeit wäre gefährdet». Entscheide zu Gunsten eines bedrohten Kindes könnten dann nicht mehr umgesetzt werden. «Das neue System wäre somit gescheitert», so Winet weiter. Die KESB könnten dann wieder durch die ehemalige Fürsorgebehörden ersetzt werden, sagte Winet als Regionaljournal-Wochengast.

Eine solche Entwicklung wäre für Winet bedauerlich. Die neuen Behörden brächten für Kinder mehr Schutz als die alten Laiengremien. Ein Fall Bonstetten wäre laut Winet bei einer Profi-Behörde kaum möglich.

Laute Kritik aus Gemeinden

«Gemeinden wollen mitreden», «Teure Kinderschutzmassnahmen», «undurchsichtig, unverständlich» - in den letzten Monaten sorgte die Zürcher KESB immer wieder für negative Schlagzeilen. Besonders Gemeindevertreter wehren sich gegen die ihrer Ansicht nach zu hohen Kosten.

2013 wurde das Vormundschaftsrecht durch das Kindes- und Erwachsenschutzrecht ersetzt. Anstelle von 171 Laiengremien entstanden 13 professionelle Vormundschaftsbehörden.

Ruedi Winet ist der erste Präsident dieser neuen, professionellen KESB. Der Jurist und diplomierter Psychiatriepfleger ist zudem Leiter der KESB des Bezirks Pfäffikon.

(kueh;meys; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30)

Kinderschutz oder Behördenwahn